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Volksbank Münsterland Nord präsentiert Bilanzzahlen

Krise noch nicht auf den Konten

Münster

Die größte Volksbank im Münsterland hat ihre erste Jahresbilanz vorgelegt. Danach geht es mit der Bilanzsumme hoch, der Zinsüberschuss aber sinkt. Corona hinterlässt Spuren.

Ralf Repöhler

Foto: Matthias Ahlke (Archivbild)

Die Krise ist da, doch sie ist offenbar noch nicht so stark wie befürchtet auf den Konten vieler Kunden angekommen. Die Volksbank Münsterland Nord mit ihrem Hauptsitz an der Neubrückenstraße rechnet fest mit Kreditausfällen durch die Corona-Krise in den kommenden Monaten. „Im Geschäftsjahr 2020 hat es allerdings kaum Wertberichtigungen gegeben“, sagt Vorstandsmitglied Ulrich Weßeler. Die Unternehmen im nördlichen Münsterland würden unterschiedlich stark unter dem monatelangen Lockdown leiden. Groß seien die Sorgen in der Gastronomie, Tourismusbranche oder im Messebau. Die Firmenkunden seien insgesamt betrachtet noch stabil. „Und Privatkunden legen überschüssige Liquidität bei uns an“, sagt Vorstandsmitglied Hubert Overesch.

Aber: Eine grundsätzliche Verlängerung des Lockdowns würde massive Auswirkungen haben. Eine Welle von Ausfälle und Insolvenzen werde die Regionalbanken treffen. „Auch wir werden in den kommenden Quartalen Erkenntnisse für uns feststellen“, so Overesch.

Erstes gemeinsames Geschäftsjahr

Die fusionierte Volksbank Münsterland Nord ist gut in ihr erstes gemeinsames Geschäftsjahr 2020 gestartet. Der Vorstand präsentierte die Zahlen am Mittwoch. Indizien sind die gesteigerte Bilanzsumme auf knapp sieben Milliarden Euro oder das auf knapp 15 Milliarden Euro gesteigerte Kundengeschäftsvolumen. Das Kundenkreditgeschäft ist auf 6,5 Milliarden Euro gestiegen. Treiber bleibt die hohe Nachfrage nach Immobilien im Münsterland. Die Volksbank vermittelte 540 Häuser und Wohnungen mit einem Gesamtkaufpreisvolumen von 140 Millionen Euro.

Trotz permanenter Niedrigzinsphase und monatelanger Corona-Krise legte die fusionierte Bank gute Zahlen für das Jahr 2020 vor. Foto: Grafik: Jürgen Christ

Allerdings: Der Zinsüberschuss sinkt um 17,4 Prozent auf 94,4 Millionen Euro. Vor allem die seit Jahren andauernde Niedrigzinsphase hinterlässt Spuren. Hohe Kundeneinlagen bedeuten für die Bank, dass ihr durch die Politik der EZB für Liquiditätsanlagen entsprechende Kapitalkosten in Rechnung gestellt werden. Bedeutet unterm Strich: Neuen Privatkunden werden für Einlagen ab 50 000 Euro und gewerblichen Kunden ab 250 000 Euro -0,5 Prozent p.a. berechnet. „Flächendeckend haben wir noch keine Negativzinsen eingeführt. Aber das Thema wird sich in der Gesellschaft verbreiten“, sagt Vorstandsmitglied Thomas Jakoby voraus.

Ulrich Weßeler

Die Verhältnisse der Bank selbst sind stabil. Das bilanzielle Eigenkapital konnte um zwei Prozent gesteigert werden. Die Bank weist eine Eigenkapitalunterlegung von 594 Millionen Euro aus. Gefordert wird eine Quote von 9,5 Prozent, die Bank hat eine Gesamtkapitalquote von 15,8 Prozent. Weßeler: „Wir steigern das Eigenkapital, um handlungsfähig zu bleiben.“

Interessante Detailzahlen lieferte Vorstandsmitglied Friedhelm Beuse. Demnach zählt die Bank für das abgelaufene Jahr 2100 Baufinanzierungen, 55,6 Millionen Zahlungsverkehrsabwicklungen, 660.000 Telefonkontakte und 13.000 mediale Beratungskontakte.

Kunden setzen auf Wertpapiere

Es ist ein Detail im ersten großen Geschäftsbericht der fusionierten Volksbank Münsterland Nord mit Hauptsitz in Münster, aber es fällt auf. Die Kunden setzen in der Corona-Krisenzeit auf Wertpapiere. Die Bank konnte das gesamte Wertpapiervolumen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020 auf 2,52 Milliarden € ausbauen, was einem Zuwachs von 9,2 Prozent entspricht. Der Nettozuwachs liegt kursbereinigt bei 191 Millionen €.

Im vergangenen Jahr war durch den Zusammenschluss der VR-Bank Kreis Steinfurt, der Volksbank Greven und der Vereinigten Volksbank Münster die größte Genossenschaftsbank im Münsterland mit 280.000 Kunden und 1100 Mitarbeitern entstanden. Das Geschäftsgebiet reicht von Hopsten bis Drensteinfurt und von Rheine bis Münster. Die Volksbank Münsterland Nord legte am Mittwoch die Bilanz des ersten gemeinsamen Geschäftsjahres 2020 mit einer Bilanzsumme von knapp sieben Milliarden € vor. Das betreute Kundenvermögen ist um 6,9 Prozent gestiegen. „Die Unternehmen haben eine hohe Liquidität vorgehalten. Auch die Sparrate bei den Privatkunden ist hoch“, sagte Vorstandsmitglied Ulrich Weßeler. Trotz des Niedrigzinsumfelds kletterte das Kundengesamtvolumen auf 15 Milliarden €. Der Zinsüberschuss sank dagegen auf 94,4 Millionen €.

Gerade in den wirtschaftlich herausfordernden Zeiten schließt die Großbank weitere Zusammenschlüsse nicht aus. „Wir haben unsere Vision für das Münsterland. Unsere Voraussetzungen sind da, die nächsten Schritte zu gehen“, so Vorstandsmitglied Thomas Jakoby.

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