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Junge Union erneut vor umstrittener Reichsfahne

Kritik aus der CDU: „Das Foto ist eine bewusste und gewollte Provokation“

Münster

Manche kapieren es nie: Im Sommer sorgte die Junge Union (JU) in Münster für einen riesigen politischen Wirbel, weil sie im Internet ein Foto veröffentlichte, auf dem JU-Mitglieder vor einer schwarz-weiß-roten Fahne gezeigt wurden. Jene Fahne des ehemaligen Kaiserreiches, die sich bei Rechtsradikalen in Deutschland großer Beliebtheit erfreut.

Klaus Baumeister

Gruppenfoto des neuen JU-Vorstandes:  Foto: JU

Damals war (angeblich) alles nur ein Missverständnis. Man habe in einem Saal einer Studentenverbindung getagt. Und dort habe nun mal diese Fahne gehangen. Jetzt hat die Junge Union in dem besagten Saal ihre Mitgliederversammlung abgehalten, einen neuen Vorstand gewählt, ein Vorstandsfoto gemacht und dieses veröffentlicht – wieder mit der Reichsfahne, fein säuberlich drapiert neben der offiziellen Fahne der Bundesrepublik.

Junge Union bleibt gelassen

Dieses Mal hat der stellvertretende Kreisvorsitzende Stefan Sluka gleich die Erklärung mitgeliefert: „Bei der schwarz-weiß-roten Fahne handelt es sich um die Verbindungsfahne des VDSt (Verein Deutscher Studenten) Münster. Dieser wurde 1902 gegründet (Dachverband 1881) und hat die damaligen Deutschland-Farben übernommen.“

 Auf Nachfrage unserer Zeitung, ob denn keinem JU-Mitglied angesichts der Auseinandersetzung im Sommer der Gedanke gekommen sei, ein Foto ohne Reichsfahne zu schießen, antwortete der alte und neue Kreissitzende Stefan Alexander Roth: „Nein“. Es sei nicht das Problem der Jungen Union, „wenn da von Außen etwas hinein interpretiert wird“.

Scharfe Kritik von Polenz

In der CDU sieht man die Sache nicht ganz so gelassen. „Das Foto ist eine bewusste und gewollte Provokation“, so ein führendes CDU-Mitglied. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz versuchte derweil gestern, auf die Entgleisung mit Humor zu reagieren. Er bestellte eine Europa-Fahne. Die möchte er den Nachwuchspolitikern schenken, „damit sie bei künftigen Fotos den passenden Hintergrund haben“.

Derweil ließ auch er keinen Zweifel daran, dass gerade Unionspolitiker bei so hochsensiblen Fragen wie der Verwendung der früheren Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot aufpassen sollten. Das JU-Foto sei „zumindest missverständlich“ und schade deshalb der CDU. Im Zusammenhang mit der Debatte über den Hindenburgplatz hatte Polenz angeregt, innerhalb der münsterischen CDU darüber zu diskutieren, wo die Grenze nach rechts zu ziehen sei.

Kreisvorsitzender der JU im Amt bestätigt

Die JU-Versammlung bestätigte unterdessen den 28-jährigen Roth als Kreisvorsitzenden. Auch seine Stellvertreter Katharina Hauck, Corinna Schnorbus und Christoph Sluka blieben im Amt. „Wir möchten unsere erfolgreiche Arbeit der letzten zwei Jahre fortsetzen“, so Roth. „Bei Themen wie der Zweitwohnsitzsteuer und dem Hindenburgplatz haben wir als JU klare Position bezogen und sind unseren Überzeugungen allen Widerständen zum Trotz treu geblieben.“ Für die gute Arbeit der JU spreche auch die „stetig steigenden Mitgliederzahlen“.

Wie aus der JU-Pressemitteilung hervorgeht, nahmen auch die CDU-Bundestagskandidatin Sybille Benning und der stellvertretende CDU-Kreisvorsitze Josef Rickfelder an der Versammlung. Sie sind nicht auf dem Gruppenfoto zu sehen . . .

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