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„Post Plastics“ in der Schulstraße

. . . bis dass der Tod euch scheidet

Münster

Wir schreiben das Jahr halbe Ewigkeit nach Weltuntergang. EF und Q1 sind auf Kunstkurs der Klasse Forschung unterwegs zu vergangenen Welten der Menschheit und stoßen auf eine fast flächendeckende Schicht Müll. Das Jahr 2019. S

Gerhard H. Kock

Man sieht die Erde vor lauter Plastik kaum: David Großbölting und Arno Hausschild haben ein einfaches Bild für die Vermüllung der Welt gefunden. Foto: Gerhard H. Kock

Wir schreiben das Jahr halbe Ewigkeit nach Weltuntergang. EF und Q1 sind auf Kunstkurs der Klasse Forschung unterwegs zu vergangenen Welten der Menschheit und stoßen auf eine fast flächendeckende Schicht Müll. Das Jahr 2019. So könnte das Intro zu einer Ausstellung lauten, die Donnerstagabend in der Ateliergemeinschaft Schulstraße eröffnet wurde. Aus der Perspektive einer Zeit nach dem Plastik sowie des alltäglichen und umfassenden Sucht- und Abhängigkeitsverhältnisses zu Kunststoffen aller Art, entstanden Arbeiten, die bis Ende März im Foyer gezeigt werden.

Die Schüler entwickelten in den Kunstkursen EF und Q1 mit den beiden Künstlern der Ateliergemeinschaft Schulstraße Susanne von Bülow und Ruppe Koselleck sowie ihrer Kunstlehrerin Jutta Lohaus vom Paulinum einen spielerischen Umgang mit Kunst und Kunststoffen – mit Plastik und Skulpturen auf dem Weg zu künstlerischen Konzepten. Da verleiht Chiara Kanngießer in einer Sprache aus den „Star Wars“-Welten den Erdenbewohnern den „Destroyer Award“, den Preis für die beste Zerstörung. Im Film „Der Plastikjunkie“ von Moritz Frechen, Bennet Menke und Vincent Watrin wäscht sich ein Junge unter der Dusche mit Plastikplanen – schaudernder Ekel fällt den Betrachter an.

Ein Video von Sarah Nölker, Emilia Pavenstädt und Maria Stöber zeigt ein „Menue à la Plastique“, bei dem sie werden, was sie essen: Die Essenden plastizieren mit dem Verzehr. Greta Thomas und Rieke Wilmer führen in ihrem Video „Beauty in Plastic“ eine Schönheitsoperation durch. Und für Julia Albers, Paula Goldberg, Helena Lechler, Merle Mensing und Theresa Strumann führt der Weg zum Altar nur über Plastik. Im Film „Plastic forever and ever“ schreitet die Braut mit Plastikbecher-Schleier über den Prinzipalmarkt zur Lambertikirche, um vermutlich angesichts der Frage „Willst Du das hier . . . bis dass der Tod euch scheidet“, fluchtartig das Weite zu suchen.

Die Arbeit in dem Kunstkurs war mit umfangreichen Recherchen zum Thema Plastik verbunden. Einige der Informationen haben André Chun und Victor Horst in eine Plastik-Schalen-Lampe integriert.

Es geht nicht nur hässlich und überkritisch zu. Luise Müller-Hofstede und Carolin Rüsseler haben Plastikflaschen zu einer tortenartigen Skulptur arrangiert. „Ikarus“ von Leon Huges und Wu Matthew ist bei aller Traurigkeit von Mythos und Thema auch schön. Und Eva Kühnrich lässt „Das Verschwinden der Plastiktüten“ durch ein Mobile anschaulich werden. Die fünf untereinander hängenden Tragetaschen sind in Streifen ausgeschnitten, und die verbleibenden Rippen verdünnen sich nach unten mehr und mehr.

Zum Thema

Die Ausstellung in der Ateliergemeinschaft Schulstraße 43 wird auch am Sonntag (31. März) von 11 bis 13 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet sein: ruppe@koselleck.de

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