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Matthäuspassion in der Apostelkirche

Am Ende siegt die Versöhnung

Münster

Besinnung und Trost stellte die Kantorei an der Apostelkirche in ihrer Aufführung der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach in den Mittelpunkt. Schon in den ersten Takten des großen Eingangschores war klar, dass dieser Konzertabend etwas Besonderes wird.

Brigitte Heeke

Begleitet vom Barock­orchester „Le Chardon“ auf historischen Instrumenten, mit einem fantastischen Solistenensemble, dazu noch die gut vorbereiteten Stimmen der Chöre: Kantor Klaus Vetter konnte sich auf seine Ensembles verlassen. Die jüngsten, fünfzig Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Paulinum (Einstudierung: Margarethe Sandhäger), sangen den Cantus firmus in den beiden Ecksätzen des ersten Teils und sorgten damit für Gänsehaut-Momente. Zum ersten Mal war zudem die neue Truhen-Orgel der Apostelkirche in einem Konzert zu hören, als Kern einer gut aufgelegten und hellwachen Continuo-Gruppe.

Die Matthäuspassion birgt so viel, dass es an jeder Ecke etwas zu entdecken gibt. Wenn etwa der Chor in der Rolle der blutrünstigen Meute „Lass ihn kreuzigen!“ von Pilatus fordert, um dann im folgenden Choral sanftmütig die betrübte Gemeinde zu geben („Der gute Hirte leidet für die Schafe“), dann zeigt sich darin weit mehr als die musikalische Wandelbarkeit der etwa siebzig Sängerinnen und Sänger. Ebenso zeitlos gültig die Soloarien, etwa die innig musizierte „Geduld!“-Arie von Tenor Nils Giebelhausen, der auch als Evangelist glänzte. Das berührende „Aus Liebe will mein Heiland sterben“ von Sopranistin Ina Siedlaczek, die Jesusworte von Ekkehard Abele, umgeben von einer Streicher-Gloriole, die Eröffnung des zweiten Teils („Ach! Nun ist mein Jesus hin!“) mit Altistin Yvi Jänicke, die Arie „Gebt mir meinen Jesum wieder“ von Bassist Markus Flaig – alles fügte sich zu der großen Erzählung der Passionsgeschichte. Diese ließ der Chor in ein Crescendo münden, das die Erkenntnis hörbar machte: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“

Eine Matthäuspassion, wie sie am Wochenende in der Apostelkirche zu hören war, gibt die versöhnliche Botschaft der Passion dann aber auch besonders eindrucksvoll an Konzertbesucher und Mitwirkende weiter.

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