Hawerkamp lädt zu den „Offenen Ateliers – spezial“

Angst, Romantik und viel Schönes

Münster

Es ist ein bisschen gesunder Trotz: Münsters größte Künstlerkolonie öffnet auch in Corona-Zeiten seine Ateliers für neugierige Besucher zum interessierten Austausch.

Gerhard H. Kock

Der Hawerkamp bietet ein reizvolles Ambiente für zeitgenössische Kunst (v. l. o. im Uhrzeigersinn): Kirsten Mühlbach, Jakob Kopp, Kristina Kugler und Christiane Schöpper. Foto: Gerhard H. Kock

Es ist ein bisschen gesunder Trotz: Münsters größte Künstlerkolonie öffnet auch in Corona-Zeiten seine Ateliers für neugierige Besucher zum interessierten Austausch. Die „Hawerkampler“ können es sich aber auch leisten, sind sie doch mit Raum gesegnet. Vor allem das Leeratelier und die Titanickhalle ermöglichen locker Distanz. Es gibt ein paar Beschränkungen, aber die Kunst ist an sich vital und virusfrei.

Auf die „Schönheit der Dinge“ macht Barbara Oest­reich in ihrem „Licht der Farbe“ aufmerksam; Gelb und Blau breiten sich strahlend auf der Leinwand wie seliges Durchatmen aus. Direkt daneben hat Christian Heeck gehängt: für seine Verhältnisse höchst gegenständliche Landschaften, die „Schwarze Risse“ sowie „Wartendes Orange“ heißen und konträr biedermeierlicher Idylle die Unruhe, ja Bedrohlichkeit von durch Menschen verschlechterte Landschaften zeigen. Ähnlich beunruhigend wirkt Anne Fellenbergs Skulptur „German Angst“: schwarze Sandsäcke, die eng gruppiert sind stellvertretend für Menschen, die furchtsam eng zusammenstehen, sich abschotten. Die Arbeit ist von 2017 ! Was zeigt: Es gab vor Corona bereits Ursachen für Angst, und es wird sie danach auch noch geben: Und für diese condicio humana sind die Deutschen auswärts besonders bekannt.

Und für Romantik: Jakob Kopp zeigt verträumte Seelenbilder. Versöhnliche Bilder auch in einer anderen Nische der ausgemusterten Industriehalle: Kristina Kugler präsentiert diesmal für ihr Werk fast aufgeräumte Bilder, wenn sie Mensch und Tier gemeinsam unter den Mantel einer genderneutralen Schutzmantelmadonna stellt.

Apropos Industriehalle: Sie bietet den Künstlern ideale Voraussetzungen der Präsentation. Kirsten Mühlbachs Sand-Malerei-Skulptur-Quader im Kon­trast zu den faszinierend unübersichtlichen Strom-Schaltkästen ergibt ein schönes Spannungsfeld ihrer Sand-Zeichnungen von Astgewirr mit den vergilbten Kabeln. Der „Lichtfänger“ von Fellenberg ist im Grunde „nur“ eine leicht schräg gestellte, gebogene Autoscheibe, aber in ihr spiegeln sich die Decke, die Fenster, die Außenwelt – eine Wiedergabe auf und mit Transparenz.

Neben Malern und Bildhauern stellt ein Fotograf und Lyriker aus: der Nordplatzdichter (einer der ein Dutzend Künstler, die zugleich ihr Atelier öffnen). Thema seiner vier Papierbahnen sind „Hände“, Hände die schütteln, Hände die schlagen.

Hände finden sich auch in den neusten Skulpturen von Christiane Schöpper. Die Gliedmaßen baumeln als Attribute an den aus Maschendraht geformten Köpfen. Aus Draht sind auch die Umrissfiguren gezogen – wie gezeichnete Figuren im Raum.

Für den Besuch der Ateliers ist eine Anmeldung über die Homepage erforderlich. Da die Zahl der Besucher reguliert werden muss, sollte eines der Zeitfenster angegeben werden. Die Öffnungszeiten sind: Samstag (17. Oktober) und Sonntag (18. Oktober) sowie 24. und 25. Oktober. Die Zeitfenster sind an den Tagen jeweils von 13 bis 15.15 Uhr sowie 15.45 bis 18 Uhr.

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