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„Hanoi Stardust“ aus Vietnam im Pumpenhaus

Auf dem Weg in die Moderne

Münster

Wie ein Krieger steht der Tänzer auf der dunklen Bühne des Pumpenhauses: Mal duckt er sich schützend zu Boden, mal spreizt er die Finger und späht wachsam hindurch. Seine tiefen Ausfallschritte und die ruckartig veränderten Positionen wecken Assoziationen an asiatische Kampfkunst, während aus dem Off einzelne Töne erklingen. Irgendwann ändert sich die Musik in Richtung Disco-Beat; Was bis dato traditionell wirkte, ist jetzt modern choreographiert und der martialisch wirkende Tänzer entpuppt sich als athletischer Streetdancer, wenn er auf dem Kopf steht oder scheinbar mühelos auf einer Hand balanciert.

Isabell Steinböck

Athletische Streetdancer treffen in „Hanoi Stardust“ im Pumpenhaus auf Solisten des Vietnam National Opera Ballet. Foto: Pumpenhaus

„Hanoi Stardust“ ist ein dreiteiliger Abend, der den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart schlägt, indem er klassische mit modernen Ausdrucksformen kontrastiert. Choreograph Arco Renz (einer der ersten Absolventen von Anne Teresa de Keersmaekers renommierter Ausbildungsstätte P.A.R.T.S. und bis heute künstlerisch in Brüssel beheimatet) hat die Produktion mit Solisten des Vietnam National Opera Ballet (VNOB) und zwei Hanoier Streetdancern erarbeitet.

Bis vor wenigen Jahren war der Bühnentanz in Vietnam geprägt von klassischer, russischer Ballett-Tradition. Dass sich allmählich eine Entwicklung hin zum zeitgenössischen Tanz gestaltet, machte dieser Abend deutlich, Langsamkeit und Stagnation inbegriffen.

Ballettpositionen treffen auf geballte Fäuste, Oberkörper vibrieren, ruckartige Armbewegungen widersprechen jeder klassischen Ästhetik. Arco Renz lässt sich Zeit, setzt auf Wiederholung und starre Gleichförmigkeit, bis sich choreographisch doch etwas entwickelt.

Im zweiten Teil stehen fünf Tänzerinnen auf Spitze wie seelenlose Automaten, um schließlich mit hohen Beinen, schnellen Schritten und Pirouetten eine frappierend modern anmutende Dynamik zu vermitteln. Dass das Quintett dabei immer wieder zu Boden fällt, verleiht ihrem Tanz etwas Verletzliches.

Der dritte Teil des Abends geht nach demselben Konzept vor wie die beiden vorangegangenen Stücke; irritierend, dass sich der Choreograph derart begrenzt. Die Technik des Tänzers ist allerdings beeindruckend. Seinen virtuosen Sprüngen, brillanten Pirouetten und eleganten Posen hätte man noch lange zuschauen können. Klassischer Tanz: zeitlos schön.

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