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Renaudin Vary und Brut bei Schoneberg

Auf den Spuren Piazzollas

Münster

Ungewöhnliche Kombinationen sind mittlerweile nicht mehr selten. Im Schoneberg-Konzert waren jetzt Trompete und Akkordeon zu hören, und die Virtuosen wurden mit tosendem Applaus gefeiert.

Von Robin Gerke

Lucienne Renaudin Vary und Felicien Brut Foto: Robin Gerke

Trompete und Akkordeon – eine seltsame Kombination? Dankbarerweise werden solche Bedenken in jüngster Zeit mehr und mehr ausgeräumt. Schon vor Jahren bewiesen Andreas Hofmeir und An­dreas Mildner, dass etwa Tuba und Harfe im Duo wunderbar funktionieren. Und die Musik, die am Samstagabend im Theater Münster im Fokus steht, ist ohnehin ein Statement gegen Stilgrenzen und festgefahrene Haltungen. Lucienne Renaudin Vary und Felicien Brut haben ihr Programm an den Stationen des Lebensweges Astor Piazzollas ausgerichtet.

So verweben die beiden im Schoneberg-Konzert etwa Edward Griegs „Norwegische Tänze“, Nummern aus „Westside Story“ und ein Musette-Medley mit Werken des berühmtesten Tangueros höchstselbst. Heraus kommt eine unterhaltsame Mischung, während in humorvoller Moderation die nicht immer offensichtlichen Verbindungen zwischen den Werken aufgedeckt werden.

Wenn die Schoneberg-Reihen in den vergangenen Jahren eines gezeigt haben, dann, dass man von der interpretatorischen Reife sehr junger Musiker nicht überrascht sein muss, sondern sich stets auf ansteckenden Elan und spannende, neue Winkel freuen darf.

Selbst für Bläserverhältnisse ist Renaudin Varys Klang ausgesprochen gesanglich, was vor allem die Arrangements eigentlicher Vokalstücke glänzen lässt. Der Kon­trast zu Bruts kantigem und hochexpressivem Stil funktioniert hervorragend, auch wenn ihr bei einigen Spitzentönen und dramatischen Passagen etwas Dampf fehlt.

Die Entscheidung, zeitgenössische Musik ans Ende dieses überaus kurzweiligen Programms zu stellen, ist auf den ersten Blick mutig. Die von Bach und Händel inspirierten Werke Richard Gallianos und Thierry Escaichs sind jedoch mehr als ohrengängig und vor allem effektvoll. Das Publikum im gut gefüllten Großen Haus dankt es den beiden Virtuosen mit tosendem Applaus, der mit zweierlei fulminanten Zugaben quittiert wird.

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