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„Einmal Niederlande und zurück“

Ausstellung zeigt Geschichte deutscher Gebiete unter niederländischer Verwaltung

Münster

Die Stimmung nach dem Zweiten Weltkrieg war aufgeheizt. Es verwunderte nicht, dass viele Niederländer vom großen Nachbarn, der sie 1940 brutal überfallen und bis 1945 besetzt hatte, eine Entschädigung verlangten. Ein Plakat aus jener Zeit am Eingang der Ausstellung im Haus der Niederlande zeigt dem Gast, an welches Reparationsgebiet die Niederlande dachten: Die Grenze wäre östlich von Osnabrück, Münster und Dortmund verlaufen.

Johannes Loy

Dieses Plakat unterstrich nach dem 2. Weltkrieg Ansprüche auf Entschädigung durch Gebietszuwachs. Münster wäre nach dieser Lesart niederländisch geworden. Foto: Matthias Ahlke

Münster und das Münsterland als Teil der Niederlande? So weit kam es dann doch nicht. „Von den Gebietsansprüchen blieben mit Zustimmung der alliierten Siegermächte einige kleinere Grenzveränderungen im Umfang von 69 Quadratkilometern übrig“, erläutert Simon Hopf. Er schrieb seine Magisterarbeit über einen Teilbereich der Grenzregion zwischen Deutschland und den Niederlanden zwischen 1945 und 1963. 10 000 Bewohner der hiervon betroffenen deutschen Dörfer und Orte lebten folglich zwischen 1949 und 1963 etwa 14 Jahre lang unter niederländischer „Auftragsverwaltung“, bis langwierige Vertragsverhandlungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Niederlanden die Rückkehr nach Deutschland ebneten. Betroffen waren die sogenannten Selfkant-Dörfer bei Geilenkirchen und Heinsberg sowie Elten am Niederrhein und Suderwick-West im Münsterland.

Manuela Friedrich, Projektleiterin und Kuratorin der Wanderausstellung, hat rund 100 Ausstellungsobjekte zusammengetragen. Natürlich vor allem Plakate, Pamphlete und Pässe aus der Zeit, in der aus Deutschen plötzlich zugleich Niederländer wurden. Aber auch Straßenschilder, Zeitungsausschnitte und Fotos von Protestaktionen. Das alles wird in Holzvitrinen und mit Hörstationen auffällig, anschaulich und natürlich zweisprachig präsentiert.

Peer Boselie, Vorsitzender der Stiftung „Cultuur en Grensgeschiedenis“, welche die sehenswerte Ausstellung initiierte, zitiert im Gespräch mit unserer Zeitung den erhellenden Satz: „Tulpen, Rosen, Nelken – der Selfkant will zwei Kühe melken.“ Will heißen: Sowohl die Niederlande wie die Bundesrepublik förderten die Grenzregion mit Zuschüssen, was den Grenzlandbewohnern natürlich gefiel.

Es war NRW-Ministerpräsident Karl Arnold, der die Rückführung der Gebiete nach Deutschland vorantrieb. 50 Jahre nach der Rückkehr wird der Ausstellungsgast über die Aufregung der damaligen Zeit schmunzeln und dankbar sein, dass wir heute in einem freien Europa leben, in dem die Grenzen verbinden und nicht mehr trennen.

Zum Thema

„Einmal Niederlande und zurück“ im Haus der Niederlande, bis 8. Februar; Mo bis Fr von 12 bis 18 Uhr, Sa und So von 12 bis 16 Uhr.

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