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Kein kirchlicher Verein mehr

Bischof Felix Genn greift gegen „Totus Tuus“ durch

Münster

Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn hat den Verein von Gläubigen mit dem Namen „Totus Tuus Neuevangelisierung“ aufgelöst. Er darf im Bistum Münster nicht mehr als kirchlicher Verein aktiv sein. Das Bistum sieht die Gefahr „geistlichen Missbrauchs“.

Von Johannes Loy

Bischof Felix Genn Foto: pbm

Das Bistum Münster geht offenbar konsequent gegen die Gefahr spirituellen Missbrauchs und geistlicher Einengung vor: Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn hat deshalb den Verein von Gläubigen mit dem Namen „Totus Tuus Neuevangelisierung“ aufgelöst. In einem Dekret, das der Bischof bereits am Donnerstag (4. November) unterzeichnet hat, verdeutlicht Genn, dass mit dieser Entscheidung Totus Tuus kein nach dem Kirchenrecht anerkannter kirchlicher Verein mehr ist. Totus Tuus (dt: Ganz Dein) war nach entsprechenden Beschwerden von 2017 bis Herbst 2018 durch Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld und die Ordensfrau Schwester Birgitte Herrmann einer Visitation unterzogen worden.

Etwa 20 Mitglieder im Bistum Münster 

Der Verein „Totus Tuus“ entstand aus Mitgliedern von Gebetskreisen, die sich ab 1994 durch Pilgerfahrten nach Međugorje in Bosnien/Herzegowina bildeten, wo seit 1981 von angeblichen Marienerscheinungen berichtet wird. Der Verein zählt nach Angaben des Bistums insgesamt rund 135 Mitglieder, im Bistum Münster etwa 20, verfügt dem Vernehmen nach aber über einen größeren Sympathisantenkreis. Auf eine erste Untersuchungsphase folgte für die Gemeinschaft ein fast zweijähriger begleiteter Gesprächs- und Aufarbeitungsprozess, der offenbar keine grundlegende Kursänderung im Verein bewirkte.

In einem Dekret legt Bischof Genn nun fest, dass Totus Tuus sich nicht länger als katholische Vereinigung bezeichnen darf. Mitarbeitern im pastoralen Dienst des Bistums Münster wird jede Mitwirkung oder Mitgliedschaft in Totus Tuus untersagt. Der Vereinigung wird jede Form von Veranstaltungen oder Aktivitäten im Bistum Münster verboten.

Keine Einsicht gezeigt

Zur Begründung der Auflösung führt Bischof Genn in dem Dekret aus, dass „die Verantwortlichen in der Vereinigung Totus Tuus nicht willens, bereit und in der Lage seien, die im Bericht erkannten schwerwiegenden Mängel im geistlichen Umgang mit Mitgliedern dieser Gemeinschaft zum einen einzusehen und zum anderen die gravierenden Missstände auch abzustellen.“ Engführungen und grenzverletzendes Verhalten sind laut Bistum nicht als solche identifiziert worden. Hinweise auf Straftaten oder sonstiges rechtliches Fehlverhalten wurden nicht gefunden.

In einem Schreiben, mit dem sich Bischof Genn am Tag vor der Unterzeichnung des Dekrets an die Mitglieder der Gemeinschaft gewandt hat, betont er, dass sich schwerwiegende Mängel insbesondere darin gezeigt hätten, dass Leitung und geistliche Begleitung in der Gemeinschaft nicht voneinander getrennt gewesen wären. Bischof Genn: „Durch einen personenfixierten und unreflektierten Leitungsstil wurde ein Klima begünstigt, das Spiritualität quantifiziert, Kritik zum Ausweis mangelnder geistlicher Reife erklärt und ein geschlossenes Elitedenken befördert hat.“

Der Bischof unterstreicht weiter: „Aufgrund der Visitationsergebnisse und nach eingehender Beratung bin ich zu der Einschätzung gelangt: Es kam in der Gemeinschaft Totus Tuus wiederholt zu Handlungen und Kommunikationsverhalten, die wir heute unter den Begriff geistlicher Missbrauch fassen. Die Gemeinschaft hat Strukturen und Verhaltensweisen entwickelt, die ein solches Handeln ermöglicht und gefördert haben.“ In den vergangenen Monaten habe sich zudem gezeigt: „Es fehlt an Einsicht in die Tragweite der Missstände.“ Bischof Genn betont: „Im Bistum Münster gibt es auch bei geistlichem Missbrauch, worunter ein grenzverletzendes Verhalten im seelsorglichen Kontext und ein spiritueller Machtmissbrauch in kirchlichen Gemeinschaften zu verstehen ist, eine Haltung der Null-Toleranz.“

Betroffene können sich Rat holen

Das Bistum Münster lädt Menschen, die von geistlichem Missbrauch betroffen sind, ein, sich zu melden. Ansprechperson für Betroffene von geistlichem Missbrauch in der Gemeinschaft Totus Tuus oder in anderen katholischen Gemeinschaften ist: Birgit Klöckner, Tel.: 0251-495-17200, kloeckner@bistum-muenster.de. Den Mitgliedern von Totus Tuus wird empfohlen, das Gespräch mit einem Seelsorger des Vertrauens zu suchen, um persönliche Entscheidungen und Schritte klären zu können.

Totus Tuus war im Bistum Münster als privater Verein von Gläubigen seit 2007 kirchlich anerkannt und deutschlandweit aktiv. Die Gemeinschaft, die bisher unter der Aufsicht von Bischof Genn stand, hat nach eigenen Angaben heute 135 Mitglieder.

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