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Übergabe der musealen Räume an Kreis Unna und Landschaftsverband noch im Herbst / Eröffnung 2022

Cappenberg erwacht zu neuem Leben

Selm-Cappenberg/Münster

Schloss Cappenberg befand sich in den vergangenen Jahren museal im Dornröschenschlaf. In den kommenden Wochen wird es wieder sanft geweckt, damit der Kulturbetrieb 2022 hellwach weitergehen kann. Am Mittwoch zeigte der Besitzer von Schloss Cappenberg, Graf Sebastian von Kanitz, den alten und künftigen Mietern, LWL-Direktor Matthias Löb und Landrat Mario Löhr aus Unna, den aufwendig sanierten Umbau. In diesem Herbst ist Übergabe.

Von Johannes Loy

Schloss Cappenberg rüstet sich für die Wiedereröffnung 2022. Foto: Jürgen Christ/Max Rolke/Kreis Unna

Etwa sechs Jahre befand sich das Schloss Cappenberg museal im Dornröschenschlaf. In den kommenden Wochen wird es wieder sanft geweckt, damit der Kulturbetrieb 2022 hellwach weitergehen kann. Das wichtige Beispiel westfälischer Klosterbaukunst und ein westfälischer Geschichtsort ersten Ranges wurde in den vergangenen Jahren umfassend innen und außen renoviert und zeigt sich bereit für künftige Präsentationen des Kreises Unna und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Gestern zeigte der Besitzer von Schloss Cappenberg, Graf Sebastian von Kanitz, den alten und künftigen Mietern, LWL-Direktor Matthias Löb und Landrat Mario Löhr, den Umbau. In diesem Herbst ist Übergabe.

„Ich freue mich sehr, gemeinsam mit Ihnen nach einer längeren, intensiven Bauphase eine neue Zeit der musealen Nutzung in Schloss Cappenberg einzuläuten“, sagte Graf von Kanitz. Die Fortführung des Mietvertrages mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe und dem Kreis Unna belebe die Geschichte des Ortes und betone seinen Wert für die Gesellschaft.

Experten des Westfälischen Landesmuseums in Münster werden im Herbst damit beginnen, eine komplett neue Ausstellung über den Freiherrn vom Stein einzurichten, die ab 2022 gezeigt wird. Nach seinem Rückzug aus der „großen Politik“ hatte der preußische Reformer 1816 Schloss Cappenberg als Alterssitz erworben, wo er 1831 mit 74 Jahren verstarb. Landesdirektor Löb: „Dieser Ort ist für uns doppelt bedeutsam: Hier lässt sich exemplarisch westfälische Landesgeschichte seit dem Mittelalter ablesen: Und sein prominentester Bewohner, der preußische Reformer Freiherr vom Stein, war der Wegbereiter der regionalen Selbstverwaltung. Ohne ihn keine preußischen Provinzen, ohne ihn kein Westfalen in den heutigen Grenzen und ohne ihn kein Landschaftsverband.“

„Das Schloss Cappenberg in Selm zählt zu den bedeutendsten Beispielen westfälischer Klosterbaukunst des Barock“, betonte Mario Löhr, Landrat des Kreises Unna. Die Freude, in diesem geschichtsträchtigen Gebäude wieder Wechselausstellungen zeigen zu können, sei groß.

Hausherr Graf Sebastian von Kanitz (l.) präsentierte den Mietern, Landesdirektor Matthias Löb (r.) und Landrat Mario Löhr aus Unna den Umbau. Foto: Max Rolke/Kreis Unna

Sechs Jahre ruhte der museale Betrieb, es folgten Detail-Planungen. 2019 wurde die Großbaustelle eingerichtet. Neue Heizungsleitungen, eine Be- und Entfeuchtungsanlage, Sicherheitstechnik und insbesondere eine komplette Barrierefreiheit – das waren die aufwendigen und auch teuren Grundbausteine der Sanierung und Erneuerung. Außen und Innenwände wurden neu verputzt respektive gestrichen. Im zen­tralen Luckner-Saal wurden die wohl aus den 1950er Jahren stammenden Wandmalereien mit bukolischen Szenen farblich aufgefrischt. Ein rollstuhlgerechter Aufzug wurde an zentraler Stelle angebracht. Ein exquisites handwerkliches Stück ist die zentrale Treppe aus Eichenholz, die frei und ohne Verankerung im Raume steht und die Verbindung vom Kellergeschoss bis ins Obergeschoss herstellt. Diplomrestauratorin Gabriele Raschke trimmte die Wände und Kassettenmalereien auf Hochglanz.

Schloss Cappenberg

Ein besonders schönes Detail ist das Parkett im Freiherr-vom-Stein-Saal, dem zentralen Gedenkort für den preußischen Reformer. Das geradezu dreidimensional wirkende Parkett aus verschiedenen Holzsorten wurde bislang von einem eher öden Farbton überdeckt, der mit akkurater Schleiftechnik entfernt wurde, so dass der Fußboden wie neu wirkt. In den Fluren dominiert edles Eichenparkett, zum Teil in historisch vorgegebener Anmutung. Auch die Unterkonstruktion der bisher knarzenden Parkettbretter musste erneuert werden. Neu und ausladend wirkt der bislang eher provisorische Eingangstrakt mit Info-Theke und Museumsshop. Im Keller entstanden moderne sanitäre Anlagen.

Die Wiedereröffnung des Museumsbetriebs im Frühjahr 2022 wurde mit Bedacht angepeilt. Cappenberg feiert im kommenden Jahr die Gründung des ersten Prämonstratenserklosters auf deutschem Boden 1122. Im September 2022 wird eine Jubiläumsausstellung zum 900. Geburtstag des Stauferkaisers Friedrich I. „Barbarossa“ einen musealen Glanzpunkt setzen.

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