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„Der Messias“ im Pumpenhaus: Diesmal nur sieben Vorstellungen

Chaos-Kult seit drei Jahrzehnten

Münster

„Der Messias“ ist da – Münsters Kultstück seit mehr als 30 Jahren hat die Pandemie überstanden und ist ab Samstag unverfälscht im Pumpenhaus zu sehen.

Von Gerhard H. Kock

Seit Jahrzehnten tritt dieses Trio im Pumpenhaus auf Foto: Ralf Emmerich/Kirsten FaustKirsten Faust

Mehr Tradition geht kaum, mehr Kult geht kaum, mehr Münster sowieso nicht: „Der Messias“ in Münster ist seit bald dreieinhalb Jahrzehnten dasselbe Stück in derselben Besetzung – das dürfte weit und breit einzigartig sein. Der eine hat einen Blitzschlag überlebt, der andere nur noch eine Lunge, mal ist einer von der Bühne gefallen, selbst die Pandemie hat dem Trio nicht den Garaus gemacht. „Der Messias“ erscheint ab Samstag (17. Dezember) wieder im Pumpenhaus. Allerdings lediglich sieben Mal. Dann wird im Pumpenhaus Energie gespart.

Die Geschichte des Chaos-Krippenspiels geht so: Hartmann als eitler Theaterdirektor Theo und Roling als sein Helfershelfer Bernhard müssen die Weihnachtsgeschichte aus Kostengründen in sämtlichen Rollen selbst spielen: vom Erzengel Gabriel über den maulenden Zimmermann Josef und die frustrierte Jungfrau Maria sowie die Halb-Weisen aus dem Morgenland bis hin zu Gott persönlich. Pannen sind programmiert, Improvisationen unausweichlich. Mit von Groote als Operndiva Frau Timm komplettiert sich das Chaos-Trio.

Im deutschen Revolutionsjahr 1989 inszenierte Martin Jürgens das Stück von Patrick Barlow. Hartmann und Roling erinnern sich, dass sie im Juni (also vor dem Mauerfall) mit den Proben in der alten LVA unterm Dach begannen und im November (mit einem anderem Stück) in Leipzig ein Gastspiel hatten. Hartmann: „Das war ein irres Jahr.“

Drei Mal ist der „Messias“ in den 43 Jahren ausgefallen: einmal wegen eines Unfalls, zwei Mal wegen der Pandemie. Trotzdem sind mittlerweile deutlich über 700 Vorstellungen zusammengekommen. Anfangs dauerte das Stück noch 75 Minuten, mittlerweile gut 100. Auch, weil das Stück für die ganze Familie ein launiges Gemeinschaftserlebnis ist, das bereits in der Garderobe anfängt. Hartmann: „Wir machen nur Blödsinn unter der Bühne“, und verrät ein geheimes Ritual: „Benedikt und ich singen seit gut zehn Jahren vor der Vorstellung das Kufstein-Lied.“ Sollte das Publikum also aus dem Keller die Zeilen „Kennst du die Perle, die Perle Tirols?“ vernehmen, bringen sich die beiden Männer in Stimmung und die Dritte im Bunde hört geduldig zu. In einem Jahr haben Hartmann und Roling das Kufstein-Lied in der letzten Vorstellung gesungen. Hartmann: „Wenn das Publikum gut drauf ist, legen wir noch eine Schippe drauf.“ Gespannt sein dürfen die Zuschauer auch, wen das Trio diesmal aus der Politik auf die Schippe nimmt. Anfangs war es Franz-Josef Strauß, später Seehofer. Jetzt ist eigentlich Söder dran.

Ob sie den „Messias“ im nächsten Jahr noch spielen dürfen, wissen sie nicht, unken die drei. Schließlich bekommt das Pumpenhaus im nächsten Jahr eine neue Leitung, da Geschäftsführer Ludger Schnieder in den Ruhestand geht.

Vorstellungen sind vom Samstag (17. bis 23. Dezember) um 20 Uhr im Pumpenhaus. Karten online.

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