„Heilig Abend“: Premiere am 3. Juni

Daniel-Kehlmann-Thriller am Borchert-Theater

Münster

Ein Rechtsstaat darf nicht alles. Aber was ist, wenn es ein schweres Verbrechen zu verhindern gilt – ist dann eine Grenzverletzung erlaubt? Daniel Kehlmanns „Thriller“ geht der Frage nach: Am 3. Juni ist Premiere am Borchert-Theater

Von Lukas Speckmannund

Dem Ermittler (Markus Hennes) bleiben 90 Minuten, um die hochintelligente Terrorverdächtige (Ivana Langmajer) zu einem Geständnis zu bringen und eine Katastrophe zu verhindern. Ob dabei wohl alles mit rechten Dingen zugeht? Foto: Klaus Lefebvre

Im Fall Daschner gab es auch keine Lösung. Wolfgang Daschner war stellvertretender Frankfurter Polizeipräsident, der 2002 dem Entführer eines kleinen Jungen körperliche Gewalt androhen ließ, um das Leben des Opfers zu retten. Dass der Junge zu dem Zeitpunkt bereits tot war, wusste der Polizist nicht. War sein Verhalten angemessen? Recht oder Unrecht?

Die Gäste des Wolfgang-Borchert-Theaters werden sich diesen Fragen selbst stellen müssen – sofern sie Gelegenheit haben, Daniel Kehlmanns Dialog-Thriller „Heilig Abend“ in der Inszenierung von Meinhard Zanger zu erleben. Auch darin geht es um die Frage, wie weit ein Ermittler in seinen Verhörmethoden gehen darf. Und zwar in Echtzeit: Sobald das Spiel beginnt, bleiben eineinhalb Stunden. Dann geht die Bombe hoch.

In 90 Minuten platzt die Bombe

Die Bombe? Welche Bombe? Die Philosophie-Professorin Judith soll einen Terroranschlag an Heiligabend geplant haben. 90 Minuten vor der Stunde Null findet sie sich in einem Verhörraum mitten im Nirgendwo wieder und gibt sich ahnungslos. Ihr Gegenüber: Thomas, ein zwielichtiger Verhörspezialist mit schäbiger Krawatte, Hosenträgern und allmählich nachlassender Beherrschung. Die Bombe tickt. Falls es sie überhaupt gibt . . .

Regisseur und Impresario Meinhard Zanger spricht von einem „Zwei-Personen-Stück für einen Mann, eine Frau und eine Uhr“. Die Uhr gibt das Tempo vor und steigert den Druck. Es geht um die Frage, wie weit der Rechtsstaat im Zweifelsfall seine eigenen Prinzipien vernachlässigen darf. Wolfgang Daschner übrigens wurde seinerzeit tatsächlich schuldig gesprochen – seine Geldstrafe bewegte sich an der haarscharf untersten Grenze des Strafrahmens . . .

Erfolgsautor Daniel Kehlmann

Ein Stück des Erfolgsautors Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“, „Ruhm“, „Tyll“) hat Meinhard Zanger immer schon mal machen wollen. „Heilig Abend“, Kehlmanns 2017 in Wien uraufgeführtes viertes Schauspiel, bietet sich als atmosphärisch dichtes Katz-und-Maus-Spiel an. Zumal es sich am Wolfgang-Borchert-Theater mit Markus Hennes und Ivana Langmajer offenbar gut besetzen lässt.

„Heilig Abend“ ist die zweite Produktion des Borchert-Theaters nach dem Lockdown. Die Spielzeit ist am 4. Juli wieder beendet. Wegen der großen Nachfrage und der knappen Plätze gibt es eine doppelte Premiere: Donnerstag (3. Juni), 18 Uhr, und Freitag (4. Juni), 20 Uhr.

Weitere Aufführungen: 5. Juni, 20 Uhr, und 6. Juni, 18 Uhr. Kartentelefon

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