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Ausstellung „Barbarossa. Das Vermächtnis von Cappenberg“ wird eröffnet

Der Kaiser und sein Taufpate

Selm-Cappenberg/Münster

Vor 900 Jahren wurde der spätere römisch-deutsche König und Kaiser Friedrich I. Barbarossa geboren. Westfalen erinnert mit einer spektakulären Doppelausstellung an ihn. Denn die Spuren des europäischen Herrschers führen bis Cappenberg.

Von Johannes Loy

Der „Cappenberger Kopf“, ein Reliquiengefäß aus dem 12. Jahrhundert, gehört zu den kostbarsten Exponaten der Schau. Hier betrachten ihn Landesdirektor Dr. Georg Lunemann, Landesmuseumsdirektor Dr. Hermann Arnhold sowie Dr. Heinrich Schulze Altcappenberg vom Rotary-Club Selm (v.r.). Foto: Foto: Image Kollektiv/Carmen Körner

Westfalen feiert einen doppelten „Geburtstag“. Vor 900 Jahren wurde der spätere römisch-deutsche König und Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1122-1190) geboren. Ein Herrscher mit europäischem Anspruch! Im gleichen Jahr wurde das Stift Cappenberg gegründet, das die Geschichte Westfalens maßgeblich beeinflusste. Barbarossa und Cappenberg mit seinem Stiftsgründer Graf Otto von Cappenberg hatten enge Be­ziehungspunkte. Otto war 1122 Taufpate Barbarossas. 1156 schenkte er als Stiftspropst dem Kloster den berühmten Cappenberger Kopf und die Taufschale des Kaisers, die sich heute im Besitz des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Museen zu Berlin befindet. „Ein Memorial-Ensemble“, so formuliert es Dr. Gerd Dethlefs, Kurator der Ausstellung „Barbarossa. das Vermächtnis von Cappenberg“. Dieses Ensemble, garniert mit historischen Urkunden aus jener Zeit, markiert den kunsthistorischen Höhepunkt der Cappenberger Schau, die sich als „Prä­ludium“ (Deth­lefs) zu einer noch größeren respektive europäisch bestückten Schau versteht. Diese wird vom 28. Oktober an im Landesmuseum in Münster zu sehen sein.

Ein Historiengemälde auf Schloss Cappenberg aus dem Jahre 1832 zeigt den Tod Barbarossas nach der Überquerung eines Flusses im Jahre 1190. Foto: LWL

„Stiftsgründung als Teil einer Friedensbewegung“, so nennt Gerd Dethlefs die thematische Grundausrichtung der rund 60 Exponate umfassenden Präsentation in Cappenberg. Deren Hauptexponat, der kostbar ver­goldete Bronzekopf, war angeblich ein Geschenk des Kaisers Friedrich I. Barba­rossa an seinen Taufpaten Otto von Cappenberg, als dieser 1156 Propst von Cappenberg wurde. Die herausragende künstlerische Qualität der etwa 30 Zentimeter hohen Büste ist unbestritten. Ebenso unzweifelhaft ist die Funktion als Behältnis von Reliquien des Evangelisten Johannes. Doch die lange bemühte These, dass der Kopf Barbarossa selbst zeige, lässt sich laut moderner ­Forschung nicht halten.

Die Taufschale Barbarossas, eine kostbare Leihgabe aus Berlin Foto: LWL

Ein westfälischer Geschichtsort: Cappenberg

Normalerweise befindet sich der Cappenberger Kopf im Safe der anliegenden Klosterkirche, die als eine der ältesten Kirchen Westfalens und als Gesamtkunstwerk eigener Prägung den Bogen zu jener Zeit des Staufer­kaisers schlägt. Die Taufschale, Leihgabe aus Berlin und eher ein Andenken an die Taufe des späteren Kaisers als wirkliches Tauf-Utensil, ist als Leihgabe aus Berlin das teuerste Exponat der Schau. Sie muss in Cappenberg 24 Stunden am Tag bewacht werden. Kopf und Schale werden vom 28. Oktober an auch in Münster zu sehen sein.

Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold und Landesdirektor Dr. Georg Lunemann (r.) in der modern aufbereiteten Schau in Cappenberg. Foto: Carmen Körner

Es empfiehlt sich, zum Einstieg in die Schau den Animationsfilm „Cappenberg 1122“ des LWL-Medienzentrums anzuschauen. Er verbindet in zehn Minuten die Geburt Barbarossas mit der Stiftsgründung und macht deutlich, wie sich das regionale Geschehen mit der großen europäischen Geschichte verband.

Im unteren Flur sind mit großen Leuchttafeln die entscheidenden zwölf weltlichen und geistlichen Hauptpersonen der Stiftungsgründung aufgeführt, bevor im zentralen Saal das „Memorial-Ensemble“ den Betrachter ganz für sich einnimmt. Im Freiherr-vom-Stein-Saal im Obergeschoss des Schlosses kommen Rezeptions­geschichte und aktuelle Kunst zu ihrem Recht. Barbarossa wurde nicht zuletzt durch den preußischen Minister und Reformer, den Freiherrn vom Stein, der Cappenberg als Ruhesitz wählte und die deutsche Geschichtsforschung vorantrieb, zu einer nationalen Leitfigur des 19. Jahrhunderts. Der Name des Kaisers wurde noch durch den Feldzug der Wehrmacht 1941 gegen die Sowjetunion missbraucht. Die ­Videoarbeit „flags“ von Johanna Reich aus dem Jahre 2011 problematisiert den Mythos Barbarossa.

Auch das Jahr 1122 gilt heute als „Zeitenwende“. ­ Landesdirektor Dr. Georg Lunemann charakterisiert die Ausstellung so: „Sie gibt Aufschluss über das Leben der schillernden Figur von Kaiser Rotbart. Wir erzählen in der Ausstellung eine Aus­steiger-Geschichte, eine Geschichte vom Umdenken, aber auch vom Umdeuten.“

Bis 5. Februar 2022. Heute,

13. September, ist die Schau zur Eröffnung von 18.30 Uhr bis 22 Uhr bei freiem Eintritt zugänglich.

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