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Klaus Geigle zeigt in der Stadthausgalerie seine Ausstellung „geigle street view“

Der Maler mit der Prise Witz

Münster

Man wäre zu gern mal Mäuschen, wenn Klaus Geigle mit seinen Bildern spricht. Indes: Zu hören wäre eh nichts. Denn die Dialoge des Münsteraners sind die eines Malers mit seinen Bildern, genauer: mit eben jenen Flächen, Farben und Strukturen, die er frisch auf die Leinwand gesetzt hat. Welches Element hat was zu sagen? Wie viel Raum darf das Grau einnehmen? Wie verhalten sich Abstraktion und der Gegenstand zueinander? Geigle: „Am Ende versuche ich, eine Balance herzustellen.“ Und möglicherweise sind die Gespräche an der Staffelei auch witzig . . .

Gerhard H. Kock

Die Langohren sind ein Motiv des münsterischen Malers Klaus Geigle. Foto: Gerhard H. Kock

Denn unverkennbar haben die Gemälde von Klaus Geigle etwas Humorvolles, das sich dabei leicht verrätselt. Seine Verkehrsinsel zum Beispiel: Die Struktur des Malgegenstandes, die Agave, wirkt wie ein vielfaches malerisches Rufen; mal wird sie ins Weiß nach vorne gerufen, um dann als graues Echo im Hintergrund zu verklingen und am rechten Bildrand wie ein Gespenst eine Erscheinung zu geben. Und als ob Geigle diese Malerei zu erhaben, einfach zu schön, um wahr zu sein, erscheint, stellt er einen grünen Hasen auf die Insel, den berühmten Hasen von Albrecht Dürer. Bei Geigle steht er wie eine Skulptur auf seinen Löffeln und seiner Blume mit dem Blick und den Pfoten gen Himmel.

Überhaupt Tiere: „Hasenplage“ heißt eine entzückende Reihe, in der die fruchtbaren Tiere sich wie zur Verspottung des Menschen räkeln, kuscheln, unbesiegbar fühlen. Sein „Flightbike“ hat schon einen fast mythischen Anspielungshorizont. Zu sehen ist das Piktogramm eines Fahrrades. Wo der Lenker ist, liegt nun der Flügel einer überfahrenen weißen Taube: Ikarus, der gefallene Held der Antike lässt grüßen. Und zum Abschluss grüßt, wie bestellt und nicht abgeholt, en passant ein Wellensittich. Zwischen zwei Schlieren in elegantem Blau sitzt er in einem viel zu großen Gänse-Ei. Ein Sittich im Größenwahn.

Weitere Bilder zeigen, wie Geigle seine Bildschichten miteinander interagieren lässt. Auf abstrakten, wie zufällig hingemalten farbigen Schlieren steigt gegenständliche Malerei wie ein Nebel herauf. Überhaupt haben die neueren Arbeiten eine leuchtendere Farbgebung. Vielleicht neues Potenzial für eine Malerei mit Witz.

Zum Thema

Die Ausstellung wird am Donnerstag (10. Juli) um 19.30 Uhr in der Stadthausgalerie, Platz des Westfälischen Friedens, eröffnet. Es spricht Prof. Udo Scheel. Die Ausstellung ist bis zum 21. September geöffnet.

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