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Wolfgang Konerding ist seit 40 Jahren als Clown Fidelidad unterwegs

„Der schönste Beruf der Welt“

Münster

Vier Jahrzehnte Clown – und kein bisschen müde. Wolfgang Konerding hat seine Berufung gefunden und lebt sie bis heute.

Von Peter Sauer

Mit Leidenschaft „Clown“: Wolfgang Konerding in seinem Atelier. Foto: Peter Sauer

Wie wird man eigentlich Clown? Wolfgang Konerding aus Münster ist seit genau 40 Jahren erfolgreich als Clown Fidelidad (spanisch für: „Treue“) unterwegs. Seine erste Begegnung mit seinem späteren Beruf hatte er als Kind. „Mit fünf Jahren hat mich meine Tante zum Clown geschminkt“, erinnert sich Wolfgang Konerding im Gespräch mit dieser Zeitung.

„Mein Zwillingsbruder durfte aber als indischer Maharadscha gehen. Damals dachte ich noch, das wäre viel besser als Clown.“ Ein Irrtum, wie er jetzt weiß. Bei den Pfadfindern spielte er zum ersten Mal den Clown. Auf Wunsch seiner Eltern machte er aber zunächst „etwas Vernünftiges“ und wurde Sozialpädagoge mit Anerkennungsjahr im Kreativ-Haus. „Die Initialzündung, Clown zu werden, kam auf einem Maskenbau-Seminar des Pantomimen Christoph Gilsbach und der Schauspielerin Beate Reker in einem italienischen Bergdorf am Lago di Bolsena“, erzählt Konerding. Da baute er seine erste Maske. Die hängt heute in einem goldenen Rahmen in seinem Clown-Atelier auf einem Bauernhof in der Nähe des Kanals.

Wolfgang Konerding

Mit eigenen Händen eine Maske zu schaffen und diese zu tragen, das faszinierte Wolfgang Konerding derartig, dass er als 25-Jähriger mit dem Schauspieler ­Mathes Dues das Straßentheater „Die Pulswärmer“ startete. Heute hängt eine reichhaltige Sammlung aus selbstgebauten Masken in seinem Atelier. „Ich habe immer gespürt, dass Clown der schönste Beruf der Welt ist“, sagt Wolfgang Konerding. „Weil man so was Schönes machen kann, wie Menschen Freude zu bringen.“

Das ist natürlich mit viel Arbeit verbunden, auch weil Wolfgang Konerding sich immer etwas Neues einfallen lässt. Aber sein Beruf als Clown Fidelidad ist inzwischen mehr als nur zu seiner Berufung geworden. „Aus der Ruhe, der inneren Stille hole ich die Kraft für meine Arbeit“, sagt Konerding im Gespräch. Seine Simme ist überraschend leise, ja fast schüchtern. Kaum ist er aber geschminkt und im bunten Kostüm, zeigt er in seiner Probenmanege wie saalfüllend sein Alter Ego ist, der Clown Fidelidad – mit Geige, Posaune und Trommel, reich an Grimassen, Artistik und emotionalen Wörtern aus der lautmalerischen Fantasiesprache Gromolo.

Wolfgang Konerding bleibt auch mit 65 Jahren weiterhin Clown.

Ob bei Aufführungen in Paris („fête de noel“) oder in Coerde, ob im Varieté, in einer Schule oder als Klinikclown: Mit herzhafter Humorpoesie will er zeigen: „Das Leben ist eine wertvolle Möglichkeit, es glücklich zu gestalten.“

Auch wenn Starkregen seine Bühne absaufen ließ, auch wenn er während eines Auftrittes stürzte und trotz gebrochener Rippe einfach weiterspielte – er bleibt Optimist. Jetzt ist Wolfgang Konerding 65. Wie lange will er noch als Clown auf der Bühne stehen? „Die Grenze setzt mir nur der liebe Gott.“

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