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Theater en face erinnert an Performance-Künstlerinnen

Der ungleiche Kampf

Münster

Starr wie eine Statue steht die Schauspielerin da: Ihr Körper ist mit rotem Band eingeschnürt, die Arme stecken in langen Röhren, während sie die griechische Sage der Niobe zitiert. Zwei weitere Performerinnen ergänzen die Szene in höchst unterschiedlicher Ästhetik: Eine Frau, die in rot-weißem Kimono nur kleine Trippelschritte wagt, und eine Tänzerin in dünnem Unterrock, die mit ausladenden Bewegungen das Leid der antiken, um ihre Kinder trauernden Figur nachvollzieht (Choreographie und Tanz: Vivien Hecht).

Isabell Steinböck

Performances im Pumpenhaus (v.l.): Stephanie Escudeiro-Kießling, Vivien Hecht und Sarah Giese Foto: Roman Michulitz

Diese erste Szene (musikalisch untermalt von Udo Herbst) schafft eine prägnante Synthese diverser künstlerischer Ausdrucksformen und erinnert darüber hinaus an Werke der renommierten Bildhauerin und Aktionskünstlerin Rebecca Horn. Regisseurin Xenia Multmeier (bekannt für interdisziplinäre Collagetechnik mit ihrem „Theater en Face“) widmet sich in diesem neuen Stück Performance-Künstlerinnen, die seit den 1960er Jahren den weiblichen Blick ins Licht der Öffentlichkeit rücken, darunter Yoko Onos „Cut Piece“ oder Valie Exports „Aktionshose Genitalpanik“.

„I like my sisters and my sisters like me“, im Pumpenhaus zur Premiere gebracht, ist ein vielfach interpretierbares Stück diverser Szenen, die geprägt sind von sexuell motivierter Gewalt zwischen den Geschlechtern. In Zusammenhang mit Texten von Dramatiker Heiner Müller oder Schriftstellerin Jenny Erpenbeck, die neben griechischer Mythologie zu Gehör kommen, entsteht eine spannungsreiche Produktion, die von einer Szene zur nächsten springt und immer neue Themen um Liebe und Leben anspricht: unglückliche Paare kommen auf die Bühne, erzwungene und ersehnte Hochzeiten, skurrile Lieblingskleider, Leben und Tod.

Dass die Perspektive immer wieder wechselt und vieles nur angerissen wird, kann auf die Dauer von zwei Stunden nicht überzeugen. Dagegen steigern Witz und Ironie den Unterhaltungswert; Videoeinspielungen von Gilsuk Ko bringen Zwischenmenschliches nahe.

Eindrucksvoll sind Metaphern, wie die Haut als (vergängliches) weibliches Schönheitssymbol und „Membran, die diese von jener Welt trennt“. Oder die weißen Knochen, ausgebreitet auf schwarzem Bühnenboden wie Puzzleteile, nach einem ungleichen Kampf zwischen Mann und Frau. Dafür gab es verdient großen Applaus.

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