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Ein zu Herzen gehendes Verdi-Requiem in Münster im Gedenken an die Corona-Opfer

Die berührende Hoffnung auf Leben

Münster

Dem Gedenken an die vielen Opfer des tückischen Corona-Virus galt die Aufführung des Verdi-Requiems mit dem Sinfonieorchester Münster und dem Philharmonischen Chor Münster unter Leitung seines Dirigenten Martin Henning. Ein berührender Konzertabend.

Von Chr. Schulte im Walde

Mit großer Tiefenwirkung: Das Sinfonieorchester Münster und der Philharmonische Chor Münster unter Leitung seines Dirigenten Martin Henning Foto: Schulte im Walde

„Requiem aeternam dona eis Domine“ – mit der Bitte um ewige Ruhe für die Verstorbenen beginnt die Liturgie der lateinischen Totenmesse. Giuseppe Verdi taucht diese wenigen Worte in kaum hörbare Klänge, von den Streichern des Orchesters intoniert, vom Chor sanft geflüstert. Ganz zart und zerbrechlich. Vielleicht mit einem Ausdruck des Zweifels? Ewiges Leben? Darf ich darauf hoffen?

Wer diesen Beginn des Verdi-Requiems am Samstag Abend in Münsters St.-Lamberti-Kirche erleben durfte, wird womöglich feuchte Augen bekommen haben, sich der Endlichkeit seiner eigenen Existenz gewahr geworden sein. Dies vielleicht umso mehr in Zeiten wie diesen, in denen Corona und all die schlimmen Folgen der Pandemie unser tagtägliches Leben bestimmen. Wohl kaum jemand, der nicht mittelbar oder unmittelbar davon betroffen ist. Dem Gedenken an die vielen Opfer des tückischen Virus galt die Aufführung des Verdi-Requiems mit dem Sinfonieorchester Münster und dem Philharmonischen Chor Münster unter Leitung seines Dirigenten Martin Henning.

Gleich vorweg: Es war ein Ereignis, das von Anfang bis Ende intensiv unter die Haut ging. Ein Requiem, das noch das letzte Herz aus Stein zum Erweichen gebracht haben wird! Das lag zum einen an dem unglaublichen Sog von Giuseppe Verdis Musik, ihrer Eindringlichkeit und emotionaler Tiefenwirkung. Das lag vor allem aber auch am Philharmonischen Chor. Der zeigte sich einmal mehr in optimaler Verfassung, konzentriert bei der herausfordernden Sache und klanglich einfach bestens disponiert, vom Flüstern im Pianissimo bis hin zu dramatischen Ausbrüchen.

Diese Spann(ungs)breite verlangt Verdi auch von den vier Vokalsolisten. Margarita Vilsone, Wioletta Hebrowska, Sung Min Song und Thomas Laske präsentierten sich wahrlich als Idealbesetzung. Hebrowskas „Lacrymosa“, Laskes „Confutatis“, die überirdisch schönen Sopran-Passagen von Margarita Vilsone: alles vom Feinsten. Sung Min Song gab sich wie seine Kollegen opernhaft, was für Verdis Tenor-Partie goldrichtig ist – aber ohne jede Larmoyanz. Insofern gerieten sämtliche Soli und Ensembles jedes Mal zu Höhepunkten dieser Aufführung. Alles wie aus einem Guss und von Martin Henning mit Chor und Orchester ganz wunderbar verschmolzen.

Verdis Requiem endet mit dem „Libera me, Domine“ – Herr, befreie mich. Diese Worte bekamen nach diesem bewegenden Erlebnis gleich in mehrfacher Hinsicht ihre Bedeutung. Nach einem großen Moment der Stille in der Lambertikirche dann ein Beifall, der nicht enden wollte.

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