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Fridolin Mestwerdts übergreifende „Friedensgrüße“

Die Botschaft klingt nur fremd

Münster

Sie verweisen auf denselben Stammvater (Abraham) und teilen den gleichen rituellen Friedensgruß. Das hat Fridolin Mestwerdt aufgriffen und reibt den jeweiligen Gläubigen Inhalt und Bedeutung ihrer Botschaft raffiniert unter die Nase, dass diese sich die Augen reiben.

Gerhard Heinrich Kock

Den Friedensgruß hat Fridolin Mestwerdt auf Arabisch an den christlichen Dom, auf Hebräisch an eine islamische Moschee und auf Deutsch an die jüdische Synagoge platziert. Foto: Gerhard H. Kock

Sie verweisen auf denselben Stammvater (Abraham) und teilen den gleichen rituellen Friedensgruß. Das hat Fridolin Mestwerdt aufgriffen und reibt den jeweiligen Gläubigen Inhalt und Bedeutung ihrer Botschaft raffiniert unter die Nase, dass diese sich die Augen reiben: „Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden.“ Gleich, wer da kommt und welche Sprache er spricht. Mestwerdt hat den Friedensgruß als Leuchtschrift auf Dom, Synagoge und Moschee platziert. Was nichts Ungewöhnliches wäre, wäre da nicht die jeweils fremde Sprache.

„As-salamu ’alaikum“ auf den St.-Paulus-Dom, „Shalom aleichem“ auf der Moschee und „Friede sei mit euch“ auf der Synagoge. Das fühlt sich fremd an. Frech? Bedrohlich sogar? Warum? Weil sich das Wort nicht vom Gefühl trennen lässt. Im Klang der Sprache schwingen Emotionen mit, die die Botschaft verschleiern können. Wer lauscht noch auf den Inhalt, wenn Hass und Ressentiments den Verstand geflutet haben? Welcher Muslim grüßt schon mit „Shalom“, welcher Christ mit „As-salamu ’alaikum“? Dabei wäre das gelebte Toleranz und Friedlichkeit.

Mestwerdts Arbeit versucht den Brückenschlag vom Trennenden in den Zungen (der babylonischen Sprachverwirrung) zum völkerverständigenden Pfingsterlebnis. Wie immer, wenn etwas fremd ist, gilt: Es ist letztlich eine Frage der gelebten Übung, der direkten Begegnung. Die „fremde“ Schrift am Gebäude erzeugt Spannung, die im besten Fall zu Neugier, zum Austausch führt.

Dabei ist mit dem Erkennen des Inhalts im fremden Wort „nur“ ein Anfang gemacht. Denn wie zweifelt Faust? „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Die Schriftzüge Mestwerdts befragen zugleich die Glaubhaftigkeit des Sprechens: Wie oft wird „Friede sei mir Dir“ gesagt; wie oft wird es aus tiefstem Herzen gefühlt und gemeint? Und das gilt für Christen, Juden und Muslime gleichermaßen, weil sie als menschliche Geschöpfe halt alle gleich sind.

Zum Thema

Neben der Bistumsausstellung im Landesmuseum sind die Installationen im Dom bis zum 2. September zu sehen. Am Eingang links liegen Lagepläne aus.   | Ende der Serie   | www.friedensaus  stellung-muenster.de

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