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20 Illustratoren, Designer und Grafiker von der Hafenstraße 64 laden in die Ateliers

Die Sterne sind hilfreich bis heute

Münster

Es geht locker zu auf dieser Büro-Etage. Das liegt vermutlich an den vielen Kreativen und ihren Ideen. Und die kann man begucken. Denn auch 2022 heißt es an der Hafenstraße 64 wieder „TaTü“.

Von Gerhard H. Kock

Stephan Pricken kann es nicht lassen: In seinen freien Arbeiten („Schicke Schinken“) lässt der Illustrator als Künstler seinen Schelmereien freien Lauf. Auf das kitschige Original-Gemälde von P. Herzog (Handyfoto l.) malt Pricken ein Paar à la Meister Eder und sein Pumuckl: Troll trifft Kauz (r.)à la Foto: Gerhard H. Kock

Trost gibt es im Himmel. Das wussten schon die alten Ägypter. Das Wetter chaotisch, das Leben endlich, alles unberechenbar bedrohlich. Aber auf die Sterne, auf die Sterne ist Verlass: Sie sind zuverlässig da, wenn man sie braucht. Sie sind ewig. Und auch Illustratoren der „Hafenstraße 64“ stehen sie zur Seite, um schwierige Situationen zu meistern – von Einschlafdramen bis zum Thema Tod. Am Freitag laden 20 Kreative zum „TaTü“, dem Tag der offenen Tür.

Günther Jakobs hat drei Kinder. Der Illustrator weiß also, wovon er schreibt und zeichnet. Fürs Einschlaf­ritu­al an der Kinderbettkante mobilisiert der Münsteraner die Gestirne: Für jedes Kind, das eingeschlafen ist, geht ein Stern auf. Mit „Wenn der Mond die Sterne zählt“ begann seine Reihe, von der jetzt der dritte Band erschienen ist: „Wenn ein Stern auf Reise geht“. Und diesmal macht sich ein Stern auf die Suche nach jenem Kind, das noch nicht schlafen kann.

Mit dem berührenden Thema Sternenkinder hat sich Jan Hendrik Ax beschäftigt. Den Eltern von vor, während oder kurz nach der Geburt verstorbenen Kindern gibt der Illustrator einfühlsam ein kundiges Buch an die Hand, das nicht viele Worte verliert, gerade deshalb berührt und daher geeignet ist, nicht nur Betroffenen, sondern jedem Menschen in Erinnerung zu rufen, dass Leben niemals selbstverständlich, sondern immer ein Wunder ist. „Gute Reise, kleiner Stern – Ein Papa sagt: Auf Wiedersehen“ ist am 15. Oktober erschienen, dem Tag der Sternenkinder.

Kochbuch für Bücherwürmer

Aber in der Hafenstraße wird das Leben auch gefeiert – und die Literatur gleich dazu. Christiane Leesker und Vanessa Jansen haben ein Kochbuch für Bücherwürmer verfasst: „Read & Eat“. Schließlich haben selbst Romanfiguren mal Hunger. Ob Blaubeermarmelade von Tom Saw­yers Tante Polly, Grießpudding mit Himbeersauce aus der „Feuerzangenbowle“ oder Kutja-Getreidebrei aus „Schuld und Sühne“ – 50 Rezepte aus der Weltliteratur sind nachzulesen und nachzukochen.

Stephan Pricken ist wieder mit freien Arbeiten vertreten, in denen er seinem schelmischen Humor Raum geben kann. Und Daniel Napp zeigt nicht nur seinen neusten „Dr. Brumm“-Bär, sondern kann zudem ankündigen, dass es eine zweite Staffel von dessen Abenteuern beim Sandmännchen geben wird. Ferner zeigt Napp seine beeindruckenden Fortschritte im „akademischen Zeichnen“, der Kunst, mit der Hand perfekte Kopien zu erstellen.

Flair aus Frankreich

Diesmal weht durch die Hafenstraße französisches Flair. Mit Nolwenn Chouinard gibt es ein neues Gesicht auf der Etage. Sie inszeniert auf Bildern verträumte Poesie: ein Mann, der im Wasser Seifenblasen zu den Fischen bläst oder ein Mädchen, das auf der Schaukel das Liebesorakel Margerite befragt. Ebenfalls aus Frankreich kommt Anne isabelle Le Touzé, und weil sie als Gast schon mal da war, „durfte“ sie gleich die Einladungskarte entwerfen . . .

Der TaTü ist am Freitag (4. November) von 14 bis 22 Uhr in der Hafenstraße 64 (Haus 1) im zweiten Obergeschoss. Um 16 und 17 Uhr gibt es Lesungen, um 19 Uhr sind Nippoldt und Band mit „Der kleine Gatsby“ zu erleben.

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