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Mehr als 50 Künstler vom Hawerkamp öffnen ihre Ateliers

Ein bisschen Spaß darf sein

Münster

Mehr Kunst geht kaum. Der Hawerkamp öffnet wieder seiner Ateliers und überrascht.

Von Gerhard H. Kock

Wer auf den Sockel will, muss Leute finden, die sich schinden. Bei Volker Wessendorfs interaktiver Skulptur kann sich derjenige hochpumpen lassen, der sich für sockelwürdig hält. Foto: Gerhard H. Kock

Die Hawerkamp-Künstler sind zu beneiden: Viel Kreativität in allernächster Nähe und zwei Ausstellungshallen am Ort. In der einen zeigt derzeit die Stipendiatin Lisa Nachtmans ihren begeh- und benutzbaren Kunst-Parcours; in der Titanickhalle geben einige der über 50 freischaffenden Künstlerinnen und Künstler ihre Visitenkarten ab. Und einmal mehr erweist sich die ehemalige Industriehalle als idealer Ort für Ausstellungen.

Am Hawerkamp blüht künstlerische Vielfalt in einer Dichte wie sonst kaum in der Stadt. Neben Malerei, Zeichnung, Bildhauerei und Illustration sind Arbeiten aus dem Bereich Grafik, Multimedia und Fotografie vertreten. Und ein bisschen Spaß darf auch sein: Volker Wessendorf lädt Menschen ein, die sich exponieren möchten, sich auf ein kleines Plateau zu stellen. Jetzt müssen diese geltungsbedürftigen Menschen nur noch Leute finden, die deren Ego hochpumpen mittels vierer Luftpumpen an den Ecken. Und wer will, kann hinter dem Vergnügen zudem eine Metapher für imperiales Gehabe, Geltungssucht oder Herrschaft überhaupt sehen. Ohne schuftende Kumpel läuft nix.

Intimität und Öffentlichkeit

Nachdenklich stimmen die Arbeiten von Anne Fellenberg oft. Diesmal hat sie eine enge Glassäule mit Bettwäsche vollgestopft. „Post Privacy“ heißt die fünf Jahre alte, mehr denn je aktuelle Arbeit zu Intimität und Öffentlichkeit. Was hat heute noch eine Chance, privat und persönlich zu bleiben?

Einen höchst politischen Anspielungshorizont offenbart Elke Seppmanns Blumenstillleben. Indem es ein Blütenarrangement auf die Mitte eines scheinbar endlos langen Tisches stellt, zitiert sie die ikonisch gewordene Szene des Imperialisten Putin, dem es um Unantastbarkeit geht – „Verhandlungen“ lautet der ironisch klingende Titel von Seppmanns Bild.

Glaskugel an der Wand

Überraschend ist Münsters ebenso gefürchteter wie vielfach ausgezeichneter Illus­trator Frank Hoppmann mit einer Collage vertreten, die aus zusammengeknülltem Stoff auf die Leinwand einen Kuhschädel zeigt.

Kirsten Mühlbach präsentiert in der Ausstellungshalle ihre floralen Glaswelten. Eine davon hängt als Halbkugel an einer Wand, an der aus Industriezeiten noch „Sauerstoff Voll“ geschrieben steht – Sinnbild für eine Hoffnung: Möge das auch für Flora und Fauna der Erdkugel noch lange gelten.

Die Ateliers am Hawerkamp 31 sind geöffnet am Samstag von 15 bis 19 Uhr und Sonntag von 13 bis 17 Uhr. In einigen Ateliers besteht Maskenpflicht. Neben der Gruppenausstellung in der Titanickhalle gibt es gleich nebenan in der Ausstellungshalle den interaktiven Parcours der Stipendiatin Lisa Nachtmans.

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