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Händels „Messiah“ mit Sinfonieorchester, Konzertchor und Solisten in der Apostelkirche

Ein Monument der Hoffnung

Münster

Ein großes Werk km jetzt in der Apostelkirche zur Aufführung: Händels Oratorium „Messiah“. Gewidmet war es den Opfern der Pandemie. Doch nicht nur das erklärte den großen Andrang an Zuhörern.

Von Robin Gerkeund

Der Konzertchor, das Sinfonieorchester Münster und vier Solisten führten unter der Leitung von Marion Wood Foto: Robin Gerke

Im Gedenken an alle, die an diesem Abend nicht dabei sein können, insbesondere im Gedenken an die Opfer der Pandemie, erklingt mit Händels „Messiah“ ein Monument der Hoffnung und des Triumphs. Das Oratorium, das Konzertchor und Orchester zu diesem Anlass gewählt haben, ist eine Musik für die Lebenden. Und derer finden sich an diesem Abend viele ein. Über eine Stunde lang tröpfelt das Publikum herein, bis jede Bank der Apostelkirche gefüllt ist.

In der einleitenden Sinfonia produziert das Orchester eine Klarheit und Homogenität, die den Vergleich mit Ensembles, die sich ganz der älteren Musik verschrieben haben, nicht zu scheuen braucht. Weiche Artikulation und brave Phrasierungen lassen allerdings die vielen elektrisierenden Impulse vermissen, die Händels Musik in sich trägt. Dabei bestehen mit dem wunderbar transparenten Streicherklang eigentlich beste Voraussetzungen. Etwas mehr Mut, vor allem in der schwierigen Kirchenakustik ans Äußerste zu gehen, würde dem Stück die Frische und Lebendigkeit geben, die in vielen neueren Interpretationen so schön herausgearbeitet wird.

Youn-Seong Shim verbreitet frohe Botschaften mit feinem Gespür und vor allem Wärme. Auch Sopranistin Laura Albert besitzt diese stimmliche Qualität in großem Maße. Immer wieder scheint durch, dass sie auch das Jazz-Fach hervorragend beherrscht – allerdings auf so subtile Weise, dass erfrischende Nuancierungen entstehen, die sich überraschend natürlich in den Gesamtklang einfügen.

Ganz spontan ist Maria Rüssel für Judith Gennrich eingesprungen und überzeugt mit feiner und dennoch markanter Deklamation, die vor allem in Synergie mit Nino Sakaadzes Cembalospiel zum Tragen kommt. Ansgar Theis wahrt auch in langen Koloraturen eine dröhnende Souveränität und schafft einen natürlichen Gegenpol.

Der Konzertchor des Musikvereins hat fast zwei Jahre auf diesen Moment gewartet. So wird das Halleluja in doppelter Hinsicht ein Triumph. Marion Wood (Einstudierung und Leitung) entlockt den Sängerinnen und Sängern eine enorme dynamische Bandbreite, ohne dass je etwas ausbricht oder aus dem Gleichgewicht gerät. Das Klangideal ist das einer Orgel, und in Momenten größter Intensität erreicht der Chor mindestens die gleiche, durchdringende Wucht. Das Amen verklingt und niemanden hält es länger auf den Bänken, der Applaus will nicht abreißen. Das Hoffen hat sich gelohnt.

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