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Der Dirigent und Chorleiter Peter Heinrich feiert heute seinen 80. Geburtstag

Ein musischer Mensch mit vielen Passionen

Münster

Der Dirigent und Chorleiter Peter Heinrich feiert am 6. April 2022 seinen 80. Geburtstag. Und blickt auf ein schaffensreiches Leben im Dienste der Musik zurück. 30 Jahre stand er im Dienst des Theaters Münster. Immer wenn der professionelle Opernchor, der semiprofessionelle Extrachor sowie der Chor des Musikvereins auftraten, war es Peter Heinrich, der ihnen die richtigen Töne beigebracht hatte. Kurz vor seinem Geburtstag sprachen wir mit dem leidenschaftlichen Musiker.

Von ChristophSchulte im Walde

Die besondere Leidenschaft des Dirigenten und Chorleiters Peter Heinrich: ein Mercedes, Baujahr 1958.

Den Dirigentenstab wird Peter Heinrich so schnell nicht aus der Hand legen, denn auch als Ruheständler ist er nach wie vor musikalisch aktiv. Zwei Chöre in Steinfurt und Stadtlohn profitieren bis heute von der reichen Erfahrung des Dirigenten, dessen Arbeit dreißig Jahre lang am Theater Münster bei Opern- und Konzertaufführungen unentbehrlich war. Immer wenn der professionelle Opernchor, der semiprofessionelle Extrachor sowie der Chor des Musikvereins auftraten, war es Peter Heinrich, der ihnen die richtigen Töne beigebracht hatte. Im Laufe seiner langen Karriere ist so ein schier unerschöpfliches Repertoire zusammengekommen. Es reicht von den Anfängen der Oper bis hin zu zeitgenössischen Werken, an denen Peter Heinrich großes Interesse hat.

Die ersten Berührungspunkte mit Musik verdankt der gebürtige Berliner seiner Großmutter. „Mit sieben Jahren ging es los auf dem Klavier. Später haben wir vierhändig gespielt. Haydn-Sinfonien und solche Sachen…“ Und nach dem Abitur an einem humanistischen Gymnasium in Berlin (mit Griechisch und Latein als Pflichtfächern!) begann er an der Musikhochschule sein Studium in den Fächern Dirigieren und Klavier, bereichert um Musik- und Theaterwissenschaft sowie Musikethnologie an der Freien Universität.

Peter Heinrich Foto: cws

Die Musikethnologie war es auch, die Peter Heinrich eine Zeit lang nach Helsinki führte. Was er dort erlebte, klingt noch heute abenteuerlich: „Wir betrieben Feldforschung in Lappland, ausgerüstet mit einem Magnetofon - und alles bei 35 Grad minus!“ Dann ging es über den „großen Teich“. Ein Stipendium eröffnete ihm die Möglichkeit, als „conducting fellow“ beim Cleveland Orchestra zu arbeiten, einem der berühmtesten US-amerikanischen Orchester. Und ein internationaler Tummelplatz für junge Nachwuchsdirigenten, die von dem großen Meister Georges Szell lernten und unter seinen kritischen Augen und Ohren vor dem Orchester standen. Noch heute besitzt Peter Heinrich eine Tonaufnahme, auf der er Wagners „Meistersinger“-Ouvertüre dirigiert. Szell dazu: „Wenn Sie die morgen wieder so schnell machen wie heute, reiße ich Ihnen den Kopf ab!“

Die Sache ging gut aus, Peter Heinrich kam mitsamt seinem Kopf zurück nach Deutschland, erst an das Theater Hagen, dann nach Dortmund von dort aus nach Kiel, wo er fünf Jahre lang mit Klaus Tennstedt zusammen arbeitete. 1977 begann dann Heinrichs erste Spielzeit in Münster, dreißig weitere folgten, in denen es oft Aufgaben zu stemmen galt, die eigentlich über die Möglichkeiten des Hauses hinaus gingen. Peter Heinrich erinnert sich lebhaft an Azio Corghis Wiedertäufer-Oper „Divara - Wasser und Blut“, eine Uraufführung zum 1200-jährigen Stadtjubiläum in Münster. Sie sorgte hier für viel Aufsehen und wurde vom gesamten Team auch als Gastspiel im oberitalienischen Ferrara gezeigt. „Ein enormer logistischer Aufwand! Auch György Ligetis ‚Le Grand Macabre‘ war eine Wahnsinnssache“, so Heinrich. Und natürlich auch die großen sinfonischen Werke, in denen Chöre mitwirken wie bei Gustav Mahler.

Ein großes Anliegen war und ist dem vitalen Pensionär aber auch die Kirchenmusik, vor allem im Gottesdienst. So leitete Heinrich 28 Jahre lang den Chor der Versöhnungskirche in Münster, später auch jenen der Martin-Luther-Kirche. Hilfreich waren da die Querverbindungen zwischen Theater, Musikhochschule und Kirchenchören, die Heinrich geknüpft hatte. So manche Bach-Kantate wurde dadurch möglich.

Schließlich staunt man über ein ganz anderes Terrain, auf dem sich Peter Heinrich seit elf Jahren bewegt - „mit großer Lust“, wie er erzählt und dabei sein charmantes Berlinerisch durchschimmern lässt. Er ist unter die Zauberer gegangen! Nicht einfach so, sondern als ordentliches Mitglied des „Magischen Zirkels“, den man erst nach bestandenen Prüfungen betritt: Theorie und Praxis. Seitdem verblüfft er sein Publikum mit allerlei Tricks, ob in Hotels am Mittelmeer, auf Schiffen oder hier zuhause. Überall dort, wohin man ihn einlädt („Man kann mich buchen!“).

Und dann ist da noch der Mercedes-Benz, 106 PS, Baujahr 1958. Ein „Ponton Coupe“, von dem nur 1900 Stück gebaut wurden. Das macht was her, Peter Heinrich am Steuer dieser edlen Karosse zu sehen, wenn er mit ihr auf Oldtimer-Rallye geht oder sie am Abend einfach nur brav in die Garage fährt. Immerhin ist das motorisierte Juwel noch deutlich jünger als er selbst. Aber so mobil wie das Gefährt ist Peter Heinrich allemal. Am 6. April feiert er seinen 80. Geburtstag! Aber den wird er auf der Insel Rügen verbringen: „Lachs angeln“! Die schwimmen just zu dieser Zeit den Heringen hinterher, weiß Peter Heinrich. Hoffentlich gehen sie dem Angler auch an den Haken. Petri Heil!

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