1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Kultur
  6. >
  7. Ein Schriftsteller in der Sinnkrise

  8. >

Götz Schubert beim Weverinck-Abend in Münster

Ein Schriftsteller in der Sinnkrise

Münster

Der Schauspieler Götz Schubert blätterte jetzt in Münster mit Manuel Munzlinger das absurde Mosaik aus dem Leben eines Schriftstellers auf. Die Figur des Schreibers für alle Gelegenheiten geht auf Bestsellerautor Bov Bjerg zurück. Der Abend lieferte aber auch manches Rätsel.

Götz Schubert als Autor in der Lebenskrise. Foto: Johannes Loy

Da steht ein knatsch­rotes Sofa auf der Bühne, daneben ein seltsamer großer Kasten. Ein Schriftsteller, oder sagen wir besser: ein Schreiber für alle Gelegenheiten, wälzt sich in Albträumen der eigenen Lebens- und Schreibkrise auf dem Sofa, schreckt auf und beginnt einen Dialog mit dem Publikum und mit einem – „Cube“ genannten – Computer-Kasten. Der drängt sich mit seiner „App“ als Psychotherapeut auf und befragt den Schreiber. Das ist, in knappen Worten, die Anordnung eines Abends, der dem Gast im Kleinen Haus einige Rätsel aufgibt.

Der renommierte Schauspieler Götz Schubert blättert auf Einladung von Weverinck Management zusammen mit Manuel Munzlinger das absurde Mosaik aus dem Leben eines Schriftstellers auf. Die Figur des Schreibers für alle Gelegenheiten geht auf Bestsellerautor Bov Bjerg zurück.

Götz Schubert und Musiker Manuel Munzlinger fanden die skurrilen Anekdoten von Bjerg derart inspirierend, dass sie die Geschichten neu sortierten und in einen Handlungsrahmen packten, der sich anfangs allerdings etwas schwer erschließt.

Autor Rolf sucht sich, und das scheint etwas weit hergeholt, Rat und Beistand beim Hochleistungscomputer, der ihn zu Erlebnissen aus Kindheit, Jugend und Familie befragt. So erzählt Rolf von seinem Lieblingsessen, Schinkennudeln und Bohnensuppe, die er eines Tages bei der Nachbarsfamilie Glinka in hohen Dosen zu sich nimmt und dann auf Teppich und Wände kotzt. Oder von absurden Erinnerungen an Mitstudent „Kopfschuss-Klaus“ und seinem irren Schaden am Hirn. Zuweilen springt Autor Rolf auch sinnierend in seine Schreiber-Karriere und erläutert seine für diverse Blätter geschriebenen Horoskope, die er manchmal spielerisch mit „Gimmicks“ aufwertete wie „Nach der Tagesschau müssen Sie heute sterben“. Was in einem Fall sogar den Weg in die Zeitung findet und bei manchem Simpel Angst und Schrecken auslöst. Die Gäste im Kleinen Haus werden auch Zeuge der mühsamen Telefon-Gespräche des Autors mit seiner allgegenwärtigen Mutter, die meistens mit sinnlosen Gesundheitstipps für ihren Sohn aufwartet.

Die Wurzeln des Autors in der schwäbischen Provinz erweisen sich als Gestrüpp absurder Alltagssituationen. Schließlich begleiten die Gäste den Schriftsteller noch auf eine Beerdigung, bei der die Mutter im Moment der Andacht plötzlich von einer Kommode mit ausrangierten Handtüchern faselt. Frei flottierende Beobachtungen des Schreibers über die künstlerisch abwegige Ausstattung mancher Kreisverkehrsinseln gibt es auch noch.

Der sich in irren Details verlierende Schriftsteller, den Götz Schubert sprachgewaltig darbietet, fasziniert als Figur. Es bedurfte aber an diesem Abend noch mancher Nachbesprechung, um das Mosaik zusammenzusetzen.

Startseite