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Veranstaltungsreihe des Theaters Münster zum Hölderlin-Jubiläum

Ein weltanschaulicher Spiegel

Münster

Wegen der Pandemie musste das Theater Münster sein umfangreiches Programm aus Anlass des 250. Geburtstages des Dichters Friedrich Hölderlin im vergangenen Jahr unterbrechen. Nun geht es weiter.

Friedrich Hölderlin Foto: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Der schwäbische Schriftsteller Friedrich Hölderlin (1770–1843) ist Thema beim nächsten Theatergespräch am Montag (4. Oktober) ab 20 Uhr im Theatertreff. Der Vortrag von Karl-Heinz Ott aus Freiburg steht unter dem Motto „Hölderlin als weltanschaulicher Spiegel des 20. Jahrhunderts.“

Hölderlin ist ein namhafter Vertreter des deutschen Idealismus, Freund und Diskussionspartner Georg W. F. Hegels und Friedrich W. J. Schellings, gilt als ein Vordenker der klassischen deutschen Philosophie, heißt es in einer Pressemitteilung des Theaters Münster.

Extreme Sensibilität

Die extreme Sensibilität des Dichters befähigte ihn darüber hinaus zu einzigartigen, vieldeutigen lyrischen und dramatischen Schöpfungen, deren wirkungsmächtige Ausstrahlung bis ins 21. Jahrhundert reichen.

Zu Lebzeiten galt Hölderlin als Außenseiter, er selbst sah sich als „Dichter in dürftiger Zeit“, als ein ewig Heimatloser und Revolutionär, der an der Enge des Alltags zu ersticken glaubte und mit seinen kühnen Zukunftsträumen von Freiheit und Gleichheit an den politischen Realitäten seiner Epoche scheitern musste. Von der Mitwelt als geisteskrank erklärt, sollte er die zweite Hälfte seines Lebens wegen schwerer psychischer Krisen in einem Tübinger Turm oberhalb des Neckars verbringen.

Im 20. Jahrhundert umschwärmte Kultfigur

Nach seinem Tod fast vergessen, entdeckte ihn das 20. Jahrhundert neu und stilisierte ihn zur umschwärmten Kultfigur der deutschen Dichtung. Als „großer Seher, der für sein Volk ins Licht tritt“, bejubelte ihn Stefan George, der Kommunist Johannes R. Becher adoptierte ihn als „Sänger der nationalrevolutionären Befreiung“. Martin Heidegger adelte ihn schließlich zum Dichter-Messias und Künder einer „Ursprache“. Komponisten wie Paul Hindemith, Carl Orff und Hans Werner Henze vertonten seine Werke, bildende Künstler wie Erich Heckel und Max Ernst erfuhren die inspirierende Kraft des dichterischen Erbes.

Weitere Termine

Veranstaltungsreihe geht weiter

Mit dem Vortrag am Montag wird die im März 2020 wegen der Pandemie unterbrochene Veranstaltungsreihe des Theaters Münster anlässlich des 250. Geburtstags am 20. März 2020 von Hölderlin wieder aufgenommen.

Mit dem umfangreichen Veranstaltungsprogramm zum Werk Friedrich Hölderlins und seiner vielgestaltigen Rezeptionsgeschichte beleuchten Vertreter der internationalen Hölderlin-Forschung aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien sein dichterisches Oeuvre. Schauspieler des Theaters Münster brachten in Lesungen seine sprachgewaltige Poesie zum Vortrag.

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