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Offene Ateliers am Hoppengarten

Eine gute Geschichte ist immer drin

Münster

Überraschungen gibt es regelmäßig bei den offenen Ateliers am Hoppengarten. Diesmal auch . . .

Die Künstlerinnen am Hoppengarten öffnen ihre Ateliers und zeigen aktuelle Arbeiten - hier: Birgit Reinken. Foto: Gerhard H. Kock

Der Hoppengarten ist immer für spannende Geschichten gut. Diesmal locken die 17 Künstlerinnen und ihre fünf Gäste die Besucher in die Wildnis, in persische Poesie, das Eheleben zweier Hände, und der russische Imperialismus hat auch Spuren hinterlassen.

Mari Girkelidse kommen die Tränen, wenn sie über ihre Bilder spricht: Flugzeuge werfen Bomben ab, Zerstörungslinien in der Landschaft, verkohlte Blätter schieben sich über eine schöne Frau. Girkelidse kommt aus Georgien, das der Kreml 2008 mit dem Fünf-Tage-Krieg in seine Schranken zwang. Der Angriff auf die Ukraine weckt Erinnerungen.

Girkelidse hat sich mit Birgit Reinken einen Gast ins Atelier geladen, der gleichsam als Ausgleich mit leichteren Themen aufwartet: In ihrer textilen Kunst sind Nähte wie Linien, die nicht nur Strukturen, sondern auch Volumen akzentuieren vermögen – Stoff-Reliefs zum Thema „der Körper und das Lesen“.

Theresa Potente hörte von Sportplätzen am Hoppengarten, dem ehemaligen Heerde-Kolleg, ging dem nach und fand in naher Wildnis eine Rennbahn und einen Tennisplatz. Dort hat sie Kreise aus Altholz und Moos gelegt, die aus dem Gebüsch einen verwunschenen Ort des Lauschens schaffen.

Die schwarzen Linien könnten Krakellage sein und sind doch mehr: Liane Sommer „drückte“ ihrer linken und ihrer rechten Hand je einen Fineliner in die Finger und ließ beide, Daumen an Daumen, wie eine Ehepaar ihren Weg über die Leinwand ziehen – ein Sinnbild verschlungener Wege des Lebens mit dichten und lichten, zielstrebigen und verwickelten Etappen.

Freude aus Geduld geboren

Auf Martina Wichmanns Triptychon scheinen einfach ein paar bunte Punkte zu sein. „Einfach“ ist gut. Aus Zeitungspapier hat sie ziemlich exakte Kreise ausgerissen, was schon eine Kunst ist. Zwölf Seiten mit je einem Loch. Und dann jede Seite mit je einer Farbe gedruckt. „Joy“ heißt diese ungewöhnliche Monotypie – eine bunte Freude, die Sorgfalt, Geduld und Mut zum Risiko erforderte, also wie im Leben.

Geduld, Sachverstand und eine ruhige, geschulte Hand – mit hoher Kunstfertigkeit schafft Samira Mokhtarzadeh persische Miniaturmalerei. In Teheran hat die Münsteranerin als Restauratorin am „Reza Abbasi Kashani“-Museum gearbeitet. Ihre „Bilder aus dem Paradies“ sind orientalisch ornamental – Blumen und Vögel sind immer dabei: eine Augenweide.

Die Ateliers sind Freitag (16. September) von 18 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag (17. und 18. September) von 14 bis 19 Uhr geöffnet.

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