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Das liebenswerte Tanztheater „Der Kleine Prinz“ im Kleinen Haus

Eine Welt voll staunenerregender Wesen

Münster

Ein kleiner Prinz lässt einen großen Piloten staunen, weil er selbst sich über die Welt wundert. Hans Henning Paar hat daraus in Münster ein Tanztheaterstück geschaffen. Staunenswert.

Von Harald Suerland

Der kleine Prinz (María Bayarri Pérez, l.) und der Pilot (Leander Veizi) vertrauen einander immer mehr. Foto: Oliver Berg

Wie soll man nur den Satz „Zeichne mir ein Schaf!“ tänzerisch ausdrücken? Hans Henning Paar findet eine verblüffend plausible Lösung: Es lässt zwei der Schafzeichnungen, mit denen der erzählende Pilot in Antoine de Saint-Exupérys berühmtem Buch auf die Aufforderung des kleinen Prinzen reagiert, Gestalt werden. Lustige Tierfiguren trollen sich da auf der Bühne des Kleinen Hauses – und der Titelheld staunt und freut sich.

Das Staunen über all die Wesen dieser Welt ist gewissermaßen Leitmotiv dieses gut einstündigen Tanzabends. Denn das kindlich-kluge Wesen, das in der literarischen Vorlag wie ein kleiner Sokrates des Weltraums den Figuren der Planeten Fragen zu ihrer Existenz stellt, erscheint hier als beglückter, manchmal auch beschwingt mitmachender Beobachter. Natürlich ist da zunächst der in der Wüste gestrandete Pilot der Rahmenhandlung: María Bayarri Pérez als Prinz und Leander Veizi als Pilot zeichnen das Duett eines kindlich tastenden Menschenpaares ins stimmungsvoll schlichte Bühnenbild von Hanna Zimmermann.

Zuvor hatte schon Charla Tuncdoruk als silbrige Wüstenschlange mit windenden und züngelnden Bewegungen den Rahmen der Theaterhandlung eröffnet – kommt ihr doch eine wichtige Funktion am Ende des Stücks zu. Außerdem setzt Choreograf Hans Henning Paar mit ihrem Auftritt und den dezenten Orientalismen in der Musik Erik Saties gleich zu Beginn ein atmosphärisches Ausrufezeichen.

Dann aber, nach den Schafen, geht es zu den unterschiedlichen Wesen der Planetenreise. Da ist zunächst, durch die putzigen Kostüme von Isabel Kork betont, ein schöner Kontrast zwischen dem verschlungenen Ensemble der Affenbrotbäume und dem Spitzentanz der koketten Rose (Fatima López Garcia erntet am Ende eine Extraportion des langen Applauses). Im Rückblick auf die Reise des Prinzen tauchen sodann tolle Gestalten auf wie der König mit dem Hüftschwung, ein mit Tisch und Weinflasche verbundener Säufer oder der Eitle mit Spiegeln in den Handflächen: Lauter lustig und sprechend charakterisierende Porträts von Menschenwesen, denen der Prinz verwundert, aber gern auch teilnehmend begegnet: So tanzt er mit den fabelhaft synchronen Zahlen, statt sich auf deren Herrn, den Geschäftsmann, einzulassen.

Nur der einzig schlaue, besser gesagt: weise Zeitgenosse des Buches fehlt bei dieser Bilderreise: Auf den Fuchs verzichtet Hans Henning Paar, weil dessen Philosophie schon im Erkenntnisgewinn durch die Begegnungen von Pilot und Prinz angelegt ist. Wer will, kann ihn mit dem Herzen sehen.

Nächste Vorstellungen: 20., 22. und 30. Oktober

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