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Kaya Yanar war in Münster groß in Form

Er nimmt die Sippe auf die Schippe

Münster

Die liebe Familie liefert Gesprächsthemen am laufenden Meter. Kaya Yanar weiß ein Lied davon zu singen. Sein Publikum in Münster bog sich vor Lachen.

Von Michael Schulte

Kaya Yanar

Man soll ja niemandem etwas Schlechtes wünschen. Aber dass sich Kaya Yanar unlängst beim Basketballspiel den Mittelfußknochen gebrochen hat, war zumindest für die Besucher in der ausverkauften Halle Münsterland ein Segen. Denn so schaltete der Comedian vor sein eigentliches Programm „Fluch der Familie“ einen rund 20-minütigen Exkurs seiner Erlebnisse von Sporthalle über Notaufnahme bis hin zum OP-Saal. Und ganz nebenbei hatte er noch einen exklusiven Tipp für alle Kassenpatienten unter den Besuchern. „Sollten Sie nur für Vier- oder Sechs-Bett-Zimmer versichert sein, besorgen Sie sich das MRSA-Virus, den Krankenhauskeim. Habe ich auch gemacht und bekam ein Einzelzimmer in Isolation. Herrlich.“

Der Komiker aus Frankfurt mit türkischen Wurzeln und einer Ehefrau aus der Schweiz ist wie geschaffen für die sogenannte „Ethno-Comedy“, in der er mit den Klischees verschiedener ethnischer Gruppen spielt. Das macht er nicht nur mit Wortwitz, sondern auch mit Mimik und Gestik. Und verweist dabei auf die verschiedenen Sprachen, Kulturen und auch Temperaturen. Seine Familie nimmt er dafür als lebendiges Beispiel. Seine liebe Mama, die ohne jede Orientierung durchs Leben geistert, aber fantastisch kocht. Sein strenger Vater, der schon als Fünfjähriger Ziegelsteine schleppte und sich für seine Kinder vor allem eine exzellente Ausbildung wünschte („Die gibt es in Deutschland umsonst“). Und sein Bruder, das Mathe-Genie, das ohne Empathie und Führerschein so gar nichts von Kaya hat. Denn Kaya ist erstens eine emotionale Heulsuse, zweitens ein Versager in Mathematik und drittens ein Mensch, der zu allem und jedem etwas zu sagen hat.

Und das ist gut so. Denn so erfuhren die Gäste seiner Veranstaltung am Mittwochabend, wie ihm sein Vater einst in radebrechendem Deutsch die Bruchrechnung erklärte und bei Kayas rudimentären Vorkenntnissen auf völliges Unverständnis stieß. Dass seine „liebe Mama“ im Kaufhaus verloren ging und sich später aus einem Bus nach Düsseldorf meldete, sei ebenso passiert wie der Lapsus auf seiner eigenen Hochzeit. Da war die gesamte Gesellschaft nach Ibiza eingeladen, nur Mutter und Bruder hatten es nicht rechtzeitig zur Trauung geschafft, weil sie auf einer anderen Hochzeit zwei Kilometer entfernt gelandet waren.

Kaya Yanar liebt seine Familie, das betont er immer wieder. Aber wenn der 49-Jährige schelmisch guckt und die eigene Sippe auf die Schippe nimmt, dann bleibt kein Auge trocken. Nicht einmal das des Komikers.

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