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Ludger Wilhelms Bühnenabschied

Er verkauft sogar Duschköpfe mit Bluetooth

Münster

Starke Pointen zum Abschied von der Bühne: Ludger Wilhelm begeisterte im Bürgerhaus Kinderhaus. Und bleibt den Kabarett-Fans als Autor erhalten.

Von Axel Engels

Ludger Wilhelm verwandelte als Vertreter oder als SUV-Fahrer die Wahrheiten zu spitzen Pointen. Foto: Axel Engels

Ein Abschied mit Wehmut:Am Freitag erlebten die Liebhaber geschliffener Kabarettkunst im Kinderhauser Bürgerhaus den umtriebigen Ludger Wilhelm noch einmal in seinen Paraderollen. Das Urgestein der Kabarettszene ist über mehrere Jahrzehnte weit über die Grenzen der Domstadt erfolgreich gewesen, vom traditionsreichen Ensemble „Schulte Brömmelkamp“ bis zur „Buschtrommel“ reichte sein Weg auf den Bühnen der bunten Republik. Sogar für die Leipziger Pfeffermühle war er schriftstellerisch tätig.

Bei seinem nunmehr allerletzten Auftritt zeigte er sich vor den vielen Besuchern bestens aufgelegt, schließlich hat er sein Handwerk, sogar an der Universität mit Leistungsscheinen belegt, von der Pike auf gelernt. Bravourös streute er seine humoristischen Prisen unter das Publikum, rieb genüsslich Salz in die Wunden von so manch politisch Großköpfigem, die er vorher mit kabarettistischem Seziermesser geschlagen hatte. Dabei wechselte er die Kunstfiguren, denen er mit perfekt angepasster Mimik und Gestik ein lebendiges Gewand verlieh. Ob er dem Publikum als Verkäufer die unmöglichsten Dinge wie einen Bluetooth-Duschkopf andrehte – diesem Seelenverkäufer hätte man seinen Geldbeutel für jeden Artikel geöffnet. Wenn er dann noch in Militäruniform von Erfahrungen im Kriegsgebiet Afghanistan erzählte, sich der finanziellen Umtriebe der für ihn recht unchristlichen Parteienspitze annahm, war das große Kunst. Die Fakten zu solchen gewandt vorgetragenen Attacken könne man ja jederzeit in Medien wie FAZ und anderen nachlesen, meinte der bestens aufgelegte Verfechter der Wahrheit. Er kurvte als Willy genüsslich mit dem SUV durch die Klimapolitik der letzten Jahre, und auch der Ampel gab er manch bissige Bemerkung mit auf ihrem Weg.

Man wird den ehemaligen Buschtrommler vermissen, ohne ihn ist die Szene um einen bedeutenden Vertreter ärmer. Aber satirische Wortspielereien mit Kultpotenzial kann man auch in Zukunft noch von ihm erwarten, schließlich sind viele seiner Kollegen mit seinen Texten bundesweit unterwegs.

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