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„Hafenstraße 64“ lädt zum Tag der offenen Tür

Es darf auch gerne mal Kunst sein

Münster

Eine Etage voller Geschichten – das ist die Hafenstraße 24. Es sind in der Regel die fröhlichen, erbaulichen, dabei zugleich spannenden Geschichten, die die Illustratoren bei ihrem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit vorstellen. Doch beim „Tatü 2014“ verbirgt sich gelegentlich auch eine traurig schöne Geschichte dahinter.

Gerhard H. Kock

Christiane Leesker hat die „Vater und Sohn“-Geschichten von Erich Ohser koloriert. Foto: Gerhard H. Kock

Die von „Vater und Sohn“ ist so eine. Die legendären schwarz-weißen Comicstrips von Erich Ohser (1903-1944) hat Christiane Leesker behutsam koloriert. Ohser war 1944 als Widerständler von einem Nachbarn denunziert und verhaftet worden. Er nahm sich in der Nacht vor dem Prozess vor Freislers Volksgerichtshof das Leben. So weit, so traurig. Als Leesker ihrem Verleger ihre farbigen „Vater und Sohn“-Geschichten brachte, holte der Postkarten heraus, die Ohser für Kinder gezeichnet hatte. Und witzigerweise hatte Leesker, ohne es zu wissen, die Comicfiguren genauso farbig gemacht wie Ohser: Vater gelbe Hose, den Sohn in Rot und Blau.

Max Kruse ist ebenfalls ein Urgestein der Kinderliteratur. Und der bald 93-Jährige schreibt immer noch. Und Günther Jakobs darf die Geschichten illustrieren: „Ein Glücksfall“. Die neueste Geschichte heißt „Urmel saust durch die Zeit“. Und auch Kruse geht mit der Zeit, wie Jakobs berichtet: „Wenn ich ihm was maile, bekomme ich in zehn Minuten eine Antwort.“ Jakobs zeigt aber auch seine neue „Weihnachtsgeschichte der anderen Art“. Ein Junge hat einen cleveren Wunsch: Es soll jeden Tag Weihnachten sein – bis er am vierten Tag merkt, dass tägliches Gesinge und Geschenke bedrohlich wird. Doch der pfiffige Knabe findet am Ende eine Lösung.

Robert Nippoldt arbeitet immer noch an seinem opulenten Buch über das Berlin der 20er Jahre, hat aber festgestellt, dass Berlin viel zu bieten hat. So viel, dass er jetzt zwei Bände anfertigen will: Berlin bei Nacht, Berlin bei Tag. Für den politischen Teil zeichnete Nippoldt schon mal, gleichsam als Fingerübung, sämtliche Kanzler und weil er gerade dabei war, gleich bis Angela Merkel: „Vielleicht wird ja mal ein Quartett daraus.“

Für die Besucher haben die über 20 freischaffenden Illustratoren, Grafiker und Designer nicht nur solche Geschichten. Eigens für den „Tatü“ gibt es das „Café Kritzel-Schnitzel“. Hier sitzen jeweils zwei Illustratoren und fertigen Zeichnungen à la Carte auf Bestellung: Vorspeise, Hauptspeise und Nachspeise im Fast-Food-Tempo. Das Ruckzuck-Menü ist zu Imbissbuden-Preisen zu kaufen.

Zum Thema

Der „Tatü“ in den Ateliers der Hafenstraße 64 ist am Freitag (7. November) von 14 bis 22 Uhr.

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