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Eduard Künnekes „Vetter aus Dingsda“: Die Abschiedsinszenierung von Ulrich Peters

Freudenfest für Onkel und Tante

Münster

Endlich auf der Bühne: Münsters langjähriger Intendant Dr. Ulrich Peters hatte den „Vetter aus Dingsda“ bereits früher premierenreif vorbereitet, doch Corona kam dazwischen. Jetzt aber singen, streiten und lieben Onkel und Tante sowie die schöne Julia im Großen Haus vor großem Publikum.

Von Chr. Schulte im Walde

Noch haben die Liebenden nicht zueinandergefunden, aber schön ist es schon, und Heldin Julia (Tanja Kuhn, l.) darf hoffen. Foto: Oliver Berg

Welch ein Glück für die schöne Julia, dass sie ihren geliebten Roderich schon bald wieder in die Arme schließen kann. Hatte es ihn doch für sieben Jahre in weite Ferne verschlagen, nach „Dingsda“. Sieben Jahre platonische Liebe, kärglich begleitet vom zarten Schein des Mondlichts. Aber jetzt stehen den beiden die Pforten offen, um endlich in den Hafen der Ehe einfahren zu können.

Aber halt! So einfach blüht das Glück nun auch nicht in Eduard Künnekes Operette „Der Vetter aus Dingsda“, mit der sich Münsters Ex-Theaterintendant Ulrich Peters am Samstag endgültig von dem Haus und seinem Publikum verabschiedete. Es war seine letzte Inszenierung hier vor Ort. Und mit ihr blieb er sich treu als Regisseur, der einmal mehr für gute Unterhaltung auf gutem Niveau sorgte.

Denn amüsant ist es schon, auf welch verschlungenen Pfaden die wohlhabende Julia am Ende ihren Liebsten bekommt. Wenn es nach dem Willen ihres Vormundes mit dem schönen Namen Josef Kuhbrot ginge, wäre es sein eigener Neffe August. Und am Ende wird genau der es auch sein, wenn sich die ganze Verwirrung um den „Dingsda“-Vetter, den smarten Landratssohn Egon und den leibhaftigen Roderich endgültig aufgelöst hat.

Ulrich Peters verortet Künnekes Operette vor einem mondänen Anwesen (Bühne: Bernd Franke): links eine klassizistische Villa, rechts ein Gartenhaus mit abgezirkeltem Spalierobst an der Wand. Dazwischen eine Terrasse mit Springbrunnen, auf der Julia (Tanja Kuhn) und ihre Freundin Hannchen (Kathrin Filip) ihre Späße aushecken und die etwas steiflichen Diener (Lars Hübel und Christian-Kai Sander) „noch ein Gläschen Bordeaux, noch ein Stück Fricandeau“ kredenzen, um den permanenten Heißhunger zu stillen, von dem Josef Kuhbrot (Rainer Zaun) geplagt wird. Seine ihn warnende Gattin Wilhelmine (Suzanne McLeod) wird schlichtweg ignoriert. Und überhaupt sind Onkel und Tante bekanntlich Verwandte, „die man am liebsten nur von hinten sieht“, wie Hannchen betont.

Vor allem sind sie bemüht, Reichtum und Wohlstand zu sichern. Dumm nur, dass sich Mündel Julia in den vermeintlich Falschen verguckt, eben jenen „armen Wandergesell“ mit Rucksack auf den Schultern, der sich als Roderich ausgibt (selbstbewusst: Martin Koch). Der echte Verlobte von einst (David Zimmer) kommt später als erwartet aus Batavia zurück, lautstark angekündigt mittels Autohupe. Auf ihn fliegt schnurstracks das burschikose Hannchen, während Julia ihr Herz tatsächlich an Papas Favoriten verliert: an August. Also am Ende alles in bester Ordnung, zweimal zwei Herzen im Gleichtakt. Nur Egon (Hans Kittelmann) geht leer aus! Aber Onkel Josef war es zufrieden.

Zufrieden durfte auch das Premierenpublikum sein. Es bekam opulente Bilder eines herrschaftlichen Hauses mit ausgedehnter Parklandschaft zu sehen, stilvolle Kostüme aus den 1920er Jahren (Bernhard Niechotz), Regen, Blitz und Donner … Und ein darstellerisch wie gesanglich famoses Ensemble nebst schwungvoll aufspielendem Orchester. Foxtrott, Paso Dobles, Onestepps und ähnlich flotte Tänzchen ließ Thosten Schmid-Kapfenburg am Dirigentenpult wie kleine Juwelen blitzen, auch wenn sich Ulrich Peters’ Personenführung von ihnen nur begrenzt hat animieren lassen. Da wäre gewiss noch mehr an Temperament „drin“ gewesen. Witzig, ironisch, frech und auch ein bisschen naiv bleibt diese Inszenierung allemal – und schlägt den Bogen zurück zu Ralph Benatzkys „Im Weißen Rössl“, mit dem Ulrich Peters vor gut neun Jahren seine Zeit als Intendant in Münster begonnen hatte. Die Sympathien des Publikums waren ihm an diesem „Dingsda“-Abend auf jeden Fall ebenso sicher wie Dank und Anerkennung, die Oberbürgermeister Markus Lewe nach dem stürmischen Beifall in seiner Rede ausdrückte.

Nächste Aufführungen am 27. März, 8. und 14. April

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