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Faszinierendes und vielfältiges Festival in der Musikhochschule Münster

Frische Klänge gegen Novembernebel

Münster

Die Musikhochschule bittet zum Festival. Es tut gerade in turbulenten Zeiten gut, dass gleich sieben Konzerte an zwei prall gefüllten Tagen die Ohren erfreuen. Schon mit der Orchester-Matinee am Samstagvormittag waren die grauen November-Nebel schnell verzogen.

Von Chr. Schulte im Waldeund

Ana Maria Ferreira und Bok Hyun Jee dokumentierten im Rahmen der Festival-Eröffnung ihre Qualitäten auf der Flöte Foto: Schulte imWalde

Der rote Teppich war wieder ausgerollt und zierte am Wochenende die Treppenstufen hinauf zum Konzertsaal der Musikhochschule. Ein schöner, gediegener Empfang zur Einstimmung auf das „mensch.musik.festival“ im Haus am Ludgeriplatz, das wie in jedem Jahr seine Signale in zwei Richtungen aussendet: Es öffnet seine Pforten und lädt zum Zuhören ein, es möchte aber auch den Weg beschreiten hinein in die Stadt, hin zu all den Menschen, die in ihr leben. Weit mehr als 200 Konzerte im Jahr bieten die Studierenden und Lehrenden der Hochschule an, verpflichtet jener „holden Kunst“, die Franz Schubert in seinem Lied „An die Musik“ so rührend vertont hat und in dem es über eben diese Kunst heißt: „... hast mich in eine bessre Welt entrückt!“

So war es auch während des Festivals. Es tat gerade in turbulenten Zeiten gut, dass gleich sieben Konzerte an zwei prall gefüllten Tagen die Ohren erfreuten. Schon mit der Orchester-Matinee am Samstagvormittag waren die grauen November-Nebel schnell verzogen. Mozart, Beethoven, Brahms, leicht und luftig, frisch und fröhlich musiziert vom Hochschulorchester unter abwechselnder Leitung von Martin Dehning und Werner Raabe. Wobei in Beethovens F-Dur Romanze op. 50 die Solistin Dana Bostedt auf der Violine aufhorchen ließ: satt und rund in der Tongebung, geschmeidig im Zusammenspiel mit dem gesamten Orchester.

Gleiches galt für Rika Tanimoto und Eva Dannowski, die Antonio Vivaldis a-Moll-Konzert für zwei Violinen aufblühen ließen. Glänzender, perlender Barock, von virtuosem Zugriff geprägt und mit leicht romantischem Einschlag im Adagio-Satz. Dirigent Koh Gabriel Kameda ließ den Solistinnen hier genügend Spielraum.

Ana Maria Ferreira und Bok Hyun Jee dokumentierten im Rahmen der Festival-Eröffnung ihre Qualitäten auf der Flöte und machten aus Domenico Cimarosas Allegro-Satz ein echtes Zwiegespräch auf Augenhöhe. Elegant und im schönsten Einvernehmen bis hinein in die frei und schwingend gestaltete Kadenz.

Ein Orchester ist ein Schmelztiegel aus Individualisten, die an einem Strang ziehen (müssen), eine gemeinsame Idee zu realisieren haben. So war es an diesem Samstagvormittag in der Musikhochschule. Auch in Gioacchino Rossinis Ouvertüre zur Oper „Der Barbier von Sevilla“, hier dargeboten in einer feinen Fassung für acht Instrumente. Streicher, Klarinette, Fagott und (ein exquisites) Horn! Dies war dann der rote Teppich für Jooyoung Park. Die junge Mezzosopranistin schlüpfte darstellerisch wie sängerisch überzeugend in die Rolle der Rosina und trumpfte auf mit deren Kavatine „Una voce poco fà“, einer mühelos „gepackten“, halsbrecherischen Koloratur-Arie.

„Inter“ stand als Motto über dem Festival in Münster. Meint: Internationalität, Interpretation, Interaktion und Interdisziplinarität. Also alles, was Musik und das gemeinsame Musizieren ausmacht – die holde Kunst, die in eine „bessre Welt“ entrückt.

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