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Wolfgang Borchert Theater: „Black Rider“ rettet Corona-Saison / Neue Spielzeit liefert drei Uraufführungen

Frische Luft weckt neues Bühnenleben

Münster

Das Wolfgang Borchert Theater befindet sich nach schwerer Corona-Zeit deutlich im Aufwind. Die Open-Air-Produktion läuft prima, die neue Saison hat acht Premieren zu bieten. Darunter drei Uraufführungen. Das wird spannend.

Von Johannes Loy

Das Borchert-Theater in Münster darf sich wieder in steigenden Besucherzahlen sonnen. Das liegt nicht zuletzt an der bildgewaltigen Open-Air-Produktion „Black Rider“. Auf der Bühne im Hafen von Münster zeigen sich im Bild oben rechts Chefdramaturgin Tanja Weidner, Intendant Meinhard Zanger und Dramaturgin Annika Bade (v. l.) mit Blick auf Gegenwart und Zukunft gut gelaunt. Foto: Loy

„Der ,Black Rider’ hat uns den Arsch gerettet.“ Meinhard Zanger, Intendant des Wolfgang-Borchert-Theaters, fand am Donnerstag zu markigen Worten, als er im sonnendurchfluteten Theaterzelt in Münsters Hafen die zweite Corona-Saison Revue passieren ließ und Perspektiven für die neue aufzeigte. In Zahlen: Mit rund 38 000 Besuchern erreicht das Theater im Flechtheim-Speicher bis zum Ende der Spielzeit wieder Vor-Corona-Niveau. 14 500 Karten wurden bislang alleine für die Open-Air-Produktion abgesetzt. „Als wir feststellten, dass es ein zweites Jahr der Pandemie gibt, sind wir fest davon ausgegangen, dass es auch ein drittes Jahr geben wird“, erläutert Zanger die Strategie des Hauses, wieder nach draußen zu gehen. Aus Gesprächen mit Theater-Kollegen weiß Zanger, dass vielerorts noch die Corona-Depression an den Bühnen herrscht und Kulturfreunde durch die lange Zeit auf der Couch und vor dem Bildschirm „entwöhnt“ wurden, sich in die Theater oder Kinos zu bewegen.

„Theater unter freiem Himmel gibt ein größeres Gefühl von Sicherheit“, unterstreicht der Intendant. Das Borchert-Theater, das in der ablaufenden Saison aufgrund von Corona und wegen des Stimmungstiefs durch den Krieg in der Ukraine Aufs und Abs beim Zuschauerzuspruch verzeichnete, hofft aber, dass die neue Spielzeit weitgehend einschränkungsfrei über die Bühne gehen wird. Bedenkt man, dass der Spielbetrieb in der Saison 2020/21 fast sieben Monate eingestellt werden musste und deshalb bei nur 90 Vorstellungen 5438 Zuschauer gezählt wurden, ist man jetzt schon wieder fast auf der Sonnenseite. In der laufenden Spielzeit 2021/22 erlebte das Theater guten Zulauf. Bis Ende April wurde im Haus gespielt, es kamen knapp 20 000 Zuschauer, durch die Open-Air-Produktion wird die Besucherzahl bis Spielzeitende am 10. Juli auf die erwähnten 38 000 anwachsen.

Die „Black Rider“-Produktion lockt wieder Besucherscharen zum Borchert-Theater in Münsters Hafen. Foto: Lefebvre

Premierentermine

Das Theater hat zudem die Zeit gut genutzt und durch Infrastruktur-Programme des Landes NRW Ausstattung und Angebote verbessert. LED-Scheinwerfer, eine Videoabteilung und die Audiodeskription für seheingeschränkte Menschen haben das Haus technisch weiter nach vorne gebracht.

Und so zeigen sich Meinhard Zanger und sein Team zuversichtlich für die neue Spielzeit 2022/23. Insgesamt stehen acht Neuinszenierungen auf dem Programm, davon drei Uraufführungen und eine deutschsprachige Erstaufführung. Das Motto lautet: „Welten“. Es beschreibt die verschiedenen Lebensmöglichkeiten, ihre Schnittstellen, ihre Differenzen – auch ihre Blasen.

Das Wolfgang Borchert Theater in Münster Foto: Lefebvre

Die erste Uraufführung am 6. Oktober kommt in Gestalt eines „Präventionskrimis“ daher. „Leg einfach auf“ aus der Feder von Felix J. Mohr und Tanja Weidner (6. Oktober) thematisiert die weit verbreitete Betrugsmasche des „Enkeltricks“. Mit dem Stück in Zusammenarbeit mit der Polizei Münster will das Borchert-Theater auch in die Seniorenwohnheime gehen und aufklären.

Jan Weilers „Eingeschlossene Gesellschaft“, eine Gesellschaftssatire nach dem gleichnamigen Film, feiert in der Inszenierung von Tanja Weidner am 10. November ihre Uraufführung. Die Geschichte: Ein Vater nötigt die Lehrer eines Gymnasiums, über die Lateinnote seines Sohnes zu debattieren, damit dieser doch noch zum Abitur zugelassen wird.

Als Auftragswerk zum 375. Jubiläum des Westfälischen Friedens wird Olivier Garofalos Schauspiel „Wann, wenn nicht jetzt?“ am 9. März 2023 uraufgeführt. Geboten wird eine „moderne Suche nach den demokratischen Grundlagen“ unserer Welt und den Möglichkeiten individueller Mitgestaltung.

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