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Weihnachtliches mit Michaela May in Münster

„Früher war mehr Lametta“

Münster

Es weihnachtet sehr: Die beliebte Schauspielerin Michaela May, Urmünchnerin, zündete im Kleinen Haus des Theaters Münster in der Weverinck-Reihe „Meister des Wortes“ viele Lichtlein an. Von Kästner bis Waggerl und von Loriot bis Gernhardt. Wir waren dabei.

In Weihnachtsstimmung: Michaela May bei ihrer Lesung im Kleinen Haus des Theaters Münster. Foto: Johannes Loy

Von Loriot bis Karl Heinrich Waggerl, von Erich Kästner bis Robert Gernhardt, von frech und satirisch bis zu nostalgisch und besinnlich spannte sich der weihnachtliche Vorlese-Bogen eines sympathischen Gastes in Münster: Die beliebte Schauspielerin Michaela May, Urmünchnerin, zündete im Kleinen Haus in der Weverinck-Reihe „Meister des Wortes“ viele Lichtlein an. Und hinter ihr auf der Bühne leuchtete dazu ein von Magdalena Munde gemaltes stimmungsvolles Bild mit dem adventlich und weihnachtlich geschmückten Prinzipalmarkt.

Nostalgisch, dafür stand zum Beispiel Erich Kästner, der als 46-jähriger Mann das erste Mal das Weihnachtsfest in München erlebt und seine Stimmung fern von den Eltern in Dresden beschrieb, rückblickend auf die vielen heimeligen Weihnachtsfeste der Kindheit und mit heimatlicher Sehnsucht im Herzen. Heiter und besinnlich zugleich wirkte die finale Geschichte Karl Heinrich Waggerls aus dem Salzburger Land über den schwarzen König Melchior, der die Füße des ihn anlächelnden Christkinds umfasst und schließlich merkt, dass seine Hände dadurch innen weiß geworden sind. Wie zum Trost gegen die zuvor wegen seiner Hautfarbe bei vielen Menschen erlebte Distanz. Mit dem Satiriker Gerhard Polt schaute Michaela May in münchnerischer Sprachfärbung auf eine „Schöne Bescherung“, bei der zwei Buben die weihnachtliche Ausbeute wie Kleinkrämer gegeneinander aufrechnen. Journalist und Autor Axel Hacke war, mit deutlicher Distanz zum vorweihnachtlichen Stress, mit der stets auf den letzten Drücker angelegten Schmucksuche für die Gattin zu vernehmen – und mit der Glosse über eine lila Weihnachtsbaumkugel, die aus purer Unlust am Aufräumen noch im August auf der Kommode liegt.

Ein frecher Höhepunkt des Abends, wie könnte es anders sein: Loriots „Weihnachten bei Hoppenstedts“. Opa meckerte sein „Früher war mehr Lametta“, Dicki streckte die Zunge heraus – und Vater Hoppenstedt ließ das Spielzeug-Atomkraftwerk explodieren. Michaela May las das virtuos mit verteilten Rollen und präsentierte sich dem Publikum in Münster auch optisch vor und nach der Pause in ihrer festlichen Garderobe als Blickfang.

Die Gäste im Kleinen Haus spendeten langen Beifall, und der liebe Gast lud zum Wiedersehen nach Hamburg ein. Dort gastiert Michaela May, die zur Corona-Zeit noch eine Autobiografie vollendet hat, im Januar und Februar 2023 im Winterhuder Fährhaus mit der Komödie „Der Sittich“. Michaela May, mittlerweile 70 Jahre jung, ist und bleibt eine gefragte Schauspielerin.

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