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Neues Cactus-Stück: „Expedition Würde“

Fundstücke und Stolpersteine

Münster

Das Plakat zum Stück zeigt eine Person in einem Kapuzenpullover. Sie gibt nichts von sich preis, verbirgt sich sogar – würde aber sicher mit Würde behandelt werden wollen, so wie man es auch von ihr erwartet. Würde – ein Konjunktiv, ein Substantiv? Regisseurin Barbara Kemmler ist ein Jahr lang mit einem interkulturellen Ensemble auf Expedition gegangen, um die Sache mit der Würde – 2014 das übergeordnete Thema bei allen Produktionen von Cactus Junges Theater – näher zu ergründen. Nun werden Fundstücke, Stolpersteine und Geschichten ausgepackt – bei der Premiere von „Expedition Würde“.

Petra Noppeney

Auch Pantomimisches fließt ein in die Inszenierung „Expedition Würde“ von Cactus Junges Theater. Foto: Ralf Emmerich

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, besagt Artikel eins des deutschen Grundgesetzes. Doch in Pegida-Zeiten mit offen ausgetragener Fremdenfeindlichkeit drängt sich die Frage auf: Was ist los mit unserer Menschenwürde? „Es hat sofort Klick gemacht bei mir“, schildert Kemmler den Moment, als die Idee aufkam, eine interkulturelle Produktion zu dem Thema zu realisieren. Doch so begeistert sie anfangs war, so sehr hat Kemmler „zwischendurch geflucht“. Denn: Wie macht man daraus Theater?

Antwort: Indem man einen „Quilt“ aus Einzelaspekten gestaltet. Die alles andere als klassische Theaterinszenierung, die Kemmler und ihre zehnköpfige Truppe gemeinsam entwickelt haben, versucht nun in Wort, Musik und Tanz die Komplexität des Begriffs aufzuzeigen.

Interviews mit Experten zu Fragen des Täter-Opfer-Ausgleichs, der Migration und interkultureller Angelegenheiten bildeten die Basis für die Ausarbeitungen der Szenen durch die Akteure. .„Wir haben viel diskutiert“, sagt die aus China stammende Jiayu Ni trocken. Mit 14 Jahren ist sie die Jüngste im Ensemble. Und Alain Kappel aus Kamerun erzählt: „Ich habe ein bisschen Zeit gebraucht um reinzukommen.“ In die spezielle Arbeitsweise bei Cactus, aber auch ins Thema.

Dass der 21-Jährige in einer Szene nun einen Täter gibt, der – wie sein Opfer – um Würde ringt, zeigt, wie überraschend und vielschichtig die Inszenierung ist. Sie ist aber auch humorvoll, wenn etwa ein Chor aus Kundendienst-Geschädigten Hilfe einfordert. Oder ergreifend, wenn zwei Kinder für ihre zwangsverheiratete Mutter Anklage erheben.

„Nicht provokant oder aggressiv, sondern sanft und sensibel“ sei der Grundton der Inszenierung, betont Alban Renz, mitverantwortlich für die Musik. Komplettiert wird die „Expedition Würde“ durch eine Ausstellung im Foyer des Pumpenhauses. Gezeigt werden Exponate von Schülerinnen und Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums.

Zum Thema

Für die Premiere am 19. Februar um 20 Uhr (mit Gebärdensprachdolmetscher) gibt es nur noch wenige Restkarten, die Schulvorstellung am 20. Februar um 11 Uhr ist ausverkauft. Weitere Aufführungen: 20., 21., 22., 23. und 24. Februar, jeweils um 20 Uhr im Theater im Pumpenhaus, Gartenstraße 123. Eintritt: 12, erm. 7 Euro. Kartenreservierung: ✆  23 34 43 oder im Internet.

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