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Georgette Dee eröffnet Jubiläumsmonat im Pumpenhaus

Ganz Diva und ganz Königin der Nacht

Münster

Dunkel ist’s im Publikum, das Pumpenhaus bis in den letzten Winkel besetzt. Fast andächtig schauen die Zuschauer zur Bühne – ein bisschen buntes Licht aus den Scheinwerfern strahlt von unten nach oben die Rückwand an, links steht der Flügel bereit, rechts ist Platz für Georgette Dee.

Heike Eickhoff

Georgette Dee bei ihrem Auftritt im Pumpenhaus Foto: heh

Dann schwebt Georgette, ganz Diva und Königin der Nacht, im langen schwarzen Samtkleid mit riesiger blauer Stola auf die Bühne. Terry Truck, der altgediente Begleiter, wird nun die Tasten nicht mehr ruhen lassen, denn auch Georgettes Moderationen sind von hübschen, unauffälligen Akkordbrechungen unterlegt.

Das Pumpenhaus wird heuer 30 Jahre alt, und Georgette Dee eröffnete am Samstag das Programm des Geburtstagsmonats. „Vom fliegenden Teppich“ heißt es, ein Dschinn wie im orientalischen Märchen spielt die Hauptrolle. Drei Wünsche hat Georgette nun frei. Georgette erzählt vom Leben in Berlin, einer Wärmflasche Modell „Florence Nightingale“ und dem Stamm der „Nachbarn“. Die Texte ihrer Songs deutet sie mit Stimme, Gestik und Mimik aus, Truck begleitet zuverlässig und lässt sie strahlen.

Nur kann man irgendwann die vielen melancholischen Schlager vom Prinzen, der nicht kommt, von der Vergänglichkeit der Reize, einem ertrunkenen schönen Musiker und ziemlich beschwippst wirkender Melancholie nicht mehr genießen. Stattdessen stellt sich schon gegen Ende der sehr umfangreichen ersten Konzerthälfte eine gewisse Müdigkeit der Ohren ein. Ein bisschen Freches, Flottes, notfalls Zotiges, müsste her. Stattdessen bewegt Georgette sich routiniert auf Schlagerkurs, beschreibt, wie sie im „hohen grünen Gras“ liegt und trifft beim Flug mit dem fliegenden Teppich (der Dschinn macht es möglich) eine wohlerzogene Schlange unter einem Apfelbaum. Die Schlange hat, wie kann es anders sein, einen Apfel im Maul und bietet ihn höflich an.

„And I will live on memories“ singt Pianist Terry Truck. Georgette macht im Refrain die zweite, tiefere Stimme dazu. Da wird es plötzlich, im Duett, doch einmal spannend, da ist Musik drin. Aber Georgette lässt sich vom Dschinn vom Palmenstrand zurück auf die heimische Berliner Terrasse fliegen.

Vorher irgendwann covert sie alten den Neue-Deutsche-Welle-Schlager „Fred vom Jupiter“ mit durchaus witzig minimalistisch angelegtem Klavier. Auch das ist nett.

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