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Premiere von „Nimm dir Zeit!“

Gebt her Eure Uhren!

Münster

Die Rückwand der Bühne hängt voller Uhren, dazwischen ein kleines Schild mit der Aufschrift „Nimm dir Zeit!“ Und das ist der Titel der neuen Theaterproduktion des Overberg-Kollegs, die am Sonntagabend Premiere feierte. Mit einem 16-köpfigen Ensem­ble hat sich Regisseurin Karin Badde-Struß Gedanken darüber gemacht, wie der Mensch mit der Zeit umgeht. Oder diese mit ihm. Herausgekommen ist eine ebenso intelligente wie unterhaltsame Collage, die das Thema aus unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet.

Helmut Jasny

Von der Antike bis zur Smartphone-Hektik: Szene aus dem Stück „Nimm dir Zeit!“ vom Overberg-Kolleg. Foto: jas

Das Spiel beginnt damit, dass die Zuschauer ihre Armbanduhren abgeben müssen. Die Kontrolle über den Ablauf der Zeit liegt jetzt ganz in den Händen der Darsteller, die zur Einstimmung wie menschliche Metronome über die Bühne pendeln. Abgelöst wird dieses gelungene Bild von einem launischen Vortrag über die Wahrnehmung von Zeit im Wandel der Epochen. Von der Antike über die Kirchenväter bis hin zu moderner Smartphone-Hektik reicht das Spektrum.

In einer Szene geht es um Akkordarbeit. An Werkbänken aufgereiht, führen Arbeiter einförmige Tätigkeiten aus, bis sie erschöpft zusammenbrechen und durch neue ersetzt werden. Der Begriff „Humankapital“ bekommt hier eine ganz neue Färbung. Eine andere Szene behandelt das subjektive Empfinden von Zeit. Fünf Minuten können ganz schön lang werden, wenn auf der Bühne jemand sitzt und nichts anderes macht, als den Zuschauern stumm in die Augen zu starren.

Die jungen Darsteller agieren ausgesprochen souverän. Selbst dann, wenn sie nicht auf der Bühne stehen. Die Regisseurin hat die Gegebenheiten genutzt und den Aktionsraum auf Orte wie den Schulhof oder die Cafeteria ausgedehnt.

In einem verglasten Anbau, der wie ein Aquarium wirkt, kann man eine junge Frau beobachten, wie sie für ein Vorstellungsgespräch nach dem passenden Outfit sucht. Hektisch reißt sie Kleidungsstücke vom Bügel und wirft dabei hilfesuchende Blicke ins Publikum. Es dauert zwar eine gewisse Zeit, bis die Zuschauer kapieren, was von ihnen erwartet wird. Aber schließlich spielen sie mit und raten der Frau zu diesem oder jenem Teil.

Eine originelle und für ein Amateur-Ensemble erstaunlich professionell umgesetzte Inszenierung.

Zum Thema

Letzte Vorstellung am 18. Juni um 20 Uhr im Overberg-Kolleg, Fliednerstraße 25.

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