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Kunsthalle: Förderpreisausstellung der Freunde der Kunstakademie

Gegen die Klischees

Münster

Das Update ist auf erfrischende Weise gelungen: Die (neue) Leiterin der Kunsthalle Münster hat der 36. Förderpreisausstellung der Freunde der Kunstakademie ein neues Konzept mit zwei Linien verpasst.

Gerhard K. Kock

Die Preisträgerinnen: Aleka Medina hängt bestickte Wäsche an die Leine; Lisa Tschorn spricht im Fahrstuhl über Pannen, und Daphne Klein vergleicht sich mit Stabheuschrecken. Foto: Gerhard H. Kock

Das Update ist auf erfrischende Weise gelungen: Die (neue) Leiterin der Kunsthalle Münster hat der 36. Förderpreisausstellung der Freunde der Kunstakademie ein neues Konzept mit zwei Linien verpasst: Weniger ist mehr, und Qualität will vorbereitet sein. Die Anzahl der teilnehmenden Studierenden wurde von 26 halbiert auf 13 künstlerische Positionen und dadurch in der Vorbereitung die Zusammenarbeit zwischen der Institution Kunsthalle und den Studierenden ermöglicht. Die Förderpreisausstellung fördert eine dialogische Qualität. Gestern Abend wurde der mit 4500 Euro dotierte Preis an drei Studentinnen vergeben: Lisa Tschorn, Daphne Klein und Aleka Medina.

Seit Jahrhunderten malen sich Maler an der Staffelei. Lisa Tschorn zeigt sich mit ihrer Performance „Performance-Probleme, Learnings und Reflektionen“ als Performerin in einer Performance. Dafür wählt sie als erlebbare Metapher den Fahrstuhl des Künstlerspeichers. Hier fährt sie auf und ab (wie es im Leben geht), mit einem ­Beamer in der Hand, der mal ein scharfes Bild an die nahe Fahrstuhl-Tür, mal ein blasses Bild durch die geöffnete Tür auf die gegenüberliegenden Wand der jeweiligen Etage wirft. Dabei erläutert Tschorn Fallstricke menschlicher und technischer Art sowie Mühen, die vor allem die Dokumentation flüchtiger Kunst bergen. Scheitern als künstlerische Haltung.

Das Video „Poledance Anti-Mimesis“ von Daphne Klein zeigt im Wechsel eine Stabheuschrecke und eine Tänzerin an einer Stange. Die gebürtige Warendorferin bringt eine künstlerische Geisteshaltung in Stellung, die mal Natur nachahmen, mal Natur verweigern will. Während die Phasmiden tastend ihre natürliche Tarnung suchen, rackert sich die Tänzerin an der Schwerkraft ab. Weil das Umfeld nicht passt, scheitern beide – auf spannende Weise.

Aleka Medina hat Wäsche mit Stickereien auf die Leine gehängt. Sticken? Wäsche? Frauenkunst? Gegen das Klischee sind mit Fäden Arme und Beine gezeichnet. Die hängenden Gliedmaßen entfalten den morbiden Charme einer Metzgerei. Ein Männerjob . . . So bringen die Stoffbahnen Vorurteile in eine kontroverse Spannung.

Des Weiteren sind zu sehen: Arbeiten von Tobias Doerr, Natalia Filatova, Julia Flaswinkel und Jana Weigelt-Harth, Marlena Gundlach, Valentino Magnolo, Irina Martyshkova, Daniel Saul, Hanna Schneider, Peter Maria Volkhardt und Lea Marie Wächter.

Die Ausstellung ist bis zum 12. Januar in der Kunsthalle, Hafenweg 28, zu sehen. Die ausgezeichnete Performance von Lisa Tschorn ist am Samstag (14. Dezember) um 19.30 sowie am 5. Januar um 16 Uhr im Fahrstuhl zu erleben.

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