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Mike Karstens zeigt zum 25-Jährigen seiner Galerie den bekanntesten deutschen Maler

„Gerhard Richter“-Werkschau fast wie in New York

Münster

Nein, das hier ist weder die Lower East Side von New York noch Soho. Das hier ist der Atelierspeicher am Kreativkai von Münster. Und doch fällt es schwer, das zu glauben: eine Werkschau von Gerhard Richter. Alle wichtigen Phasen des Künstlers von Weltrang sind hier zu sehen – in der Galerie von Mike Karstens. Der Münsteraner ist der Mann, dem die Künstler vertrauen. Und so kommt es, dass in der Ausstellung Raritäten zu sehen sind – Leihgaben von Gerhard Richter.

Gerhard H. Kock

Vom legendären „Strontium“ des Gerhard Richter gibt es bei Mike Karstens einen Probedruck zu sehen. Foto: Gerhard H. Kock

„Die Hälfte der Sachen hier sind nicht zu verkaufen“, muss der Galerist potenziellen Interessenten sagen. Karstens zeigt gar nicht viele Arbeiten, aber die großen Sachen: „Strontium“ zum Beispiel oder „September“ oder die Richter-Fenster im Kölner Dom. Entwürfe, Studien, Korrespondenzen werfen ein Licht auf das Denken und den faszinierenden Arbeitsprozess von Gerhard Richter, dem „Picasso des 21. Jahrhunderts“.

Karstens zeigt das Einzelbild aus einer Zeitung, die das erste Bild aus dem Inneren eines Atoms veröffentlichte. Daraus hat Richter mit Karstens das Werk „Strontium“ entwickelt, das vor zehn Jahren für das „San Francisco Museum of Modern Art“ entstand. Bei Karstens sind Probedrucke der grauen Kugeln an der Wand zu sehen, wobei sich das Seh-„Vergnügen“ rasch in ein fasziniertes Abwenden wandelt. Denn es ist seltsam unangenehm, länger auf das Bild zu schauen. Diesen Effekt hat Richter im Arbeitsprozess erkannt und gezielt fortentwickelt. Nachzuvollziehen bei Mike Karstens.

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Die Ausstellung wird am Sonntag (14. September) um 15 Uhr eröffnet. Bis 30. Oktober.

Und so arbeitet Richter manchmal: „Machen Sie mir mal verschiedene Weichtöne davon“, sprach der Meistermaler zu Karstens und drückte dem Münsteraner ein „Spiegel“-Foto von den Einschlägen vom 11. September 2001 in die Hand. Ein kunsthistorisch bedeutender Auftrag: Schließlich hatte Richter 1988 den Gemäldezyklus „18. Oktober 1977“ mit den Toten der Rote Arme Fraktion (RAF) gemalt. Ein Politikum damals. Die deutschen Terroristen in Öl! Aus dem „Spiegel“-Foto von 2001 ist vor zehn Jahren das Gemälde „September“ geworden, das Gerhard Richter aufgrund der historischen Bedeutung 2005 dem Museum of Modern Art in New York schenkte. Die Edition „September“ aber ist bei Mike Karstens zu sehen. Fast so schön wie das Original.

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