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Eigenwillige Gäste bei der Konzertreihe „Small Beast“

Hornicator trifft auf Fleischermesser

Münster

Vor gut einem halben Jahr hat Paul Wallfisch seine in New York erfundene und dann nach Dortmund exportierte Konzertreihe „Small Beast“ auch in Münster vorgestellt. Am Sonntag gab es im Pumpenhaus die zweite Auflage. Und das Konzept – ein charmanter Gastgeber und zwei nicht unbedingt dem Mainstream verhaftete Gäste – ging auch diesmal wieder auf.

Helmut Jasny

Thomas Truax spielt mit seinem Spezialinstrument, dem Hornicator. Foto: Helmut Jasny

Zur Einstimmung lotet Wallfisch am Klavier eine ganze Bandbreite an Stimmungen aus. Das Repertoire reicht von tiefschwarzen Balladen über Schuld und Einsamkeit bis hin zu flockigen Liebesliedern, in denen alles leicht ist und wie von selbst zu laufen scheint. Manchmal reizt er diese unterschiedlichen Stimmungen sogar in einem einzigen Song aus. Dann klimpert er erst fröhlich vor sich hin, um sich dann umso stärker hineinzusteigern, bis es ihn fast vom Hocker dreht.

Damit ist das Feld für den ersten Gast bereitet. Thomas Truax ist nicht nur Musiker, sondern auch ein begnadeter Bastler, der seinen Indie-Folk mit einer ganzen Reihe von selbst gebauten Instrumenten begleitet. Beispielsweise dem Hornicator, einem mit Elektronik bestückten Grammophontrichter, der die Stimme klingen lässt, als käme sie aus tiefsten Abgründen. Nicht weniger skurril mutet das automatische Schlagwerk an, dessen Mechanik auf zwei Fahrradfelgen basiert. Außerdem scheint Truax der Erfinder der ambulanten Performance zu sein, wenn er beim Auftritt durch den Saal wandert, irgendwann verschwindet und an anderer Stelle wieder auftaucht.

Gemma Ray ist eine britische Sängerin, die in Berlin lebt und gerade groß im Kommen ist. Ihre Songs lassen sich am besten als unheimlich beschreiben. Es geht um Gefühle vielfältigster Art, die aber nie gute sind. Romantik wird hier zur Schauerromantik. Man spürt förmlich, wie die Nacht heraufzieht und einen dunklen Schatten auf alles legt.

Gemma Rays Gesang verfällt in ein gespenstische Klagen und das Schlagzeug liefert das aufziehende Gewitter dazu. „Come in“ singt sie mit kindlich lockender Stimme, und man weiß nicht, ob man ihr wirklich folgen will. Es mag zwar die Stimme eines Kindes sein, aber eines, vor dem man sich besser in Acht nimmt. Dass sie ein Fleischermesser am Steg ihrer Gitarre befestigt hat, macht die Sache nicht besser.

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