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„Hamlet“ im Mühlenhof-Museum

Humorige Inszenierung mit den „King’s Men“

Münster

Große Kultur auf dem Mühlenhof: Am Mittwochabend ging dort eine „Hamlet“-Inszenierung des deutsch-niederländischen Ensembles „King‘s Men“ über die Bühne.

Von Arndt Zinkant

Wie die Musketiere: Hamlet (Bjorn Bakker) und der „vierfache Horatio“ auf dem Mühlenhof. Foto: Arndt Zinkant

Wenn ein sensibler junger Mann in Depressionen verfällt, tut es gut, die richtigen Freunde zur Seite zu haben. Hamlet, der verzweifelte Dänenprinz, hatte bei Shakespeare „nur“ den Horatio. Ein Fall für die „King’s Men“! Auf der Wiese des Mühlenhof-Museums werden aus einem Freund vier: „Wir alle sind Horatio!“, rufen die Mannen im Hemd mit Hosenträgern und stehen zusammen wie die drei Musketiere, ganz so, als wäre Hamlet ihr d‘Artagnan. Einer für alle – alle für einen!

Das war längst nicht der einzige geniale Schlenker, den sich die mitreißende „Hamlet“-Bearbeitung von Silvia Andringa erlaubte. Die Regisseurin verordnete dem schweren Klassiker so viel Witz, dass dem Premierenpublikum vor Staunen die grinsenden Münder offenstanden. Am Rande gefragt, ob sie bei solch düsterem Stoff keine Überdosis Humor befürchtet habe, lächelte Andringa: „Nein – Humor öffnet die Herzen.“ Und sie betonte, dass man zusätzliche Stühle besorgt habe und Interessierte an der Abendkasse noch ihr Glück versuchen sollten.

Hamlets schöne Geliebte

Die Regisseurin vertraute „ihren“ Hamlet (wie zuvor Macbeth) den „King‘s Men“ an: Vier Mimen aus den Niederlanden und Deutschland, die außer Hamlet alle Bühnencharaktere übernehmen – auch die weiblichen, wie zu Shakespeares Zeiten. Jan Sturmius Becker, Christian Cadenbach, Laurens ten Den und Marcell Kaiser geben zwar dem Affen ordentlich Zucker, legen es aber nicht auf schrille Travestie an. Wenn Jan Sturmius Becker die Königin Gertrude mimt, sitzen zwar Dutt und Seidenmantel, aber ins Falsett begibt er sich nicht. Und Ophelia? Für Hamlets schöne Geliebte sind die Köpfe der „King‘s Men“ dann doch zu markig. So kommt eine große Handpuppe zum Einsatz, irgendwo zwischen Modeboutique und Sesamstraße. Da ist das „Püppken“, das Polonius seiner Tochter auf Niederländisch zuraunt, ganz wörtlich gemeint, nicht chauvinistisch.

Vielsprachiges „To be oder not to be“

Apropos: Anglisten müssen hier tapfer sein. Der Text kommt in einem furiosen Mix aus Deutsch, Niederländisch, etwas Englisch und dem Dialekt der Region Twente daher. Sogar das berühmte „To be or not to be“ wird vielsprachig rezitiert. Und dem jungen Hamlet ganz entrissen, den Bjorn Bakker facettenreich darstellt: Soft und introvertiert, dann plötzlich das Gegenteil.

Man sollte das Stück bereits kennen, wenn man die Mühlenhof-Inszenierung besucht. So kann man jede ironische Brechung genießen – dann aber, wenn die Schwärze der Nacht sich über die Bockwindmühle senkt, auch die tragische Wucht am Ende erleben. „Der Rest ist Schweigen.“

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