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Stadtensemble lädt zur Beuys-Würdigung

Immer wieder „ja ja ja ne ne ne“

Münster

Joseph Beuys wäre am Mittwoch (12. Mai) hundert Jahre alt geworden. Münsters einzigartiges Stadtensemble würdigt den Aktionskünstler mit mehr als zwei Dutzend Aktionen der ungewöhnlichsten Art . . .

Mit Eins-zu-Eins-Kulturveranstaltungen würdigt das Stadtensemble am 12. Mai den 100. Geburtstag von Joseph Beuys. Foto: PD

Novalis meinte: „Jeder Mensch kann ein Künstler sein.“ Joseph Beuys befand: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Am Mittwoch (12. Mai) wäre der weltweit wohl bedeutendste Aktionskünstler des 20. Jahrhunderts hundert Jahre alt geworden. Das gesamte Stadtensemble Münster bietet aus diesem Anlass an dem Tag zahlreiche Aktionen im Rahmen seiner Reihe „Walk’n Act“ an.

Am Beuys-Tag sind 25 Formate buchbar. So arbeitet Anja Kreysing mit der Soundcollage „ja ja ja ne ne ne“ aus dem Jahr 1968, in der Beuys eine Stunde lang im niederrheinischen Singsang diese Wörter wiederholt. „Ich hänge mir einen kleinen Verstärker um, und spiele dann irgendwo in der Innenstadt mit dem Sample.“ Auch das Angebot „Absichtsloses Gehen“ von Thomas Nufer bezieht sich dezidiert auf Beuys. Mit seinem Teilnehmer wird Nufer in alle Himmelsrichtungen rauf und runter oder im Kreis laufen, wildfremden Fußgängern, Paketboten oder anderen unerwarteten Impulsen folgen. Der Akt erinnert an Joseph Beuys, der einmal durch eine Moorlandschaft ging, bis er im Wasser versank und nur noch der Hut zu sehen war.

Für Carola von Seckendorff, die Münsters Stadtensemble mit Cornelia Kupferschmid initiiert hat, passt „Walk’n Act“perfekt zur Vorstellung einer „sozialen Plastik“. Es sei im Sinne von Beuys, dass die Zuschauer die Kunst mitgestalten. Und das Konzept geht auf: „Die Leute erleben wirklich etwas. Es geht um Austausch.“ Es mache einen gerade in Corona-Zeiten „nicht so dusselig“, wie der Kultur-Konsum am Rechner. „Das ist wirklich toll. Die Leute, sowohl die Spieler als auch die Teilnehmer, sind so glücklich hinterher.“ Sie könne „eigentlich unentwegt weitermachen. Es ist sehr beglückend.“ Angespornt haben das Stadtensemble die Lockdowns. „Wir wollten schauen: Was ist noch möglich?“, so von Seckendorff. Das Stadtensemble hat mittlerweile 63 Formate entwickelt (teilweise mit mehreren Unterformaten). 20 dieser Programme sind bereits ausverkauft. Und das Format der Eins-zu-Eins-Begegnungen (auf Abstand) sei noch nicht ausgeschöpft und immer möglich. „Man kann uns gar nicht schließen.“

Nach dem Motto „pay what you can“ überweist der Teilnehmer vor dem „Walk’n Act“ einen Betrag auf das Stadtensemble-Konto. Nach Eingang wird der Treffpunkt des exklusiven Kunsterlebnisses übermittelt.