1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Kultur
  6. >
  7. In Ghana vom Paradies geträumt

  8. >

Das Filmfestival Münster wurde mit „Borga“ eröffnet

In Ghana vom Paradies geträumt

Münster

Ein Filmfest vor Publikum und ein berührendes Langfilm-Debüt: In Münster gab es zum 40-Jahre-Jubiläum von Filmwerkstatt und Filmfestival „Borga“.

Von Hans Lüttmann

Eugene Boateng (l.) und Prince Kuhlmann sprachen beim Filmfestival über „Borga“. Foto: Hans Lüttmann

Endlich wieder Kino – und am Samstag mit einem Muss-Film zu einem besonderen Ereignis: Mit York-Fabian Raabes ungemein authentischem Langfilm-Debüt „Borga“ wurde im Schlosstheater das 19. Münster-Filmfestival offiziell eröffnet. Die Filmwerkstatt und das Filmfestival Münster werden in diesem Jahr 40 und feiern das doppelte Jubiläum gemeinsam mit den Tagen des Provinzfilms und dem Afrika-Film-Festival Köln bis zum nächstem Samstag, an dem die Preise verliehen werden.

Warum Muss-Film? Weil jeder, den weltumspannendes Menschsein rührt, diesen Film sehen muss. „Borga“ erzählt von Kojo und seinem Bruder Kofi, die am Rande einer Elektroschrott-Mülldeponie in Ghana leben. Kojo träumt von einem Leben in Deutschland, wo er ein „Borga“ werden will. In Ghana glauben viele, dass man im Westen mühelos Reichtum, Glück und Wohlstand findet. Kojo findet in Deutschland etwas anderes: die bittere Wahrheit hinter den „Borga“-Verheißungen, die den Traum illegaler Einwanderer beflügeln, bei uns das weltliche Paradies zu finden. Vor allem aber wird ihm klar, dass er einem Mythos nachgejagt ist und das durch krumme Geschäfte gemachte schnelle Geld sein Menschsein nicht reicher, sondern ärmer macht.

Beim diesjährigen Max-Ophüls-Festival hat Raabes Film vier erste Preise gewonnen, darunter den für den gesellschaftlich relevantesten Film. Die Jury begründet das so: „Borga“ zeigt in eindringlichen, teils beklemmenden Bildern die globalen Auswirkungen des westlichen Konsums auf Kosten des afrikanischen Kontinents. Der Film erzählt mehr als eine Geschichte über das Schicksal eines Migranten und seiner Familie: Er pro­blematisiert unser kapitalistisches Handeln, in dem Giftmüll als neue Form der Ausbeutung Afrikas gezeigt wird.

Grußworte gab’s am Samstag natürlich auch; Cineast und Moderator Gian-Philip Andreas erzählte kurzweilig und mit herrlich unterkühltem Humor über das schon angelaufene Festival, und Oberbürgermeister Markus Lewe fand passende Worte über den so lange vermissten Lebenswert von Kunst und Kultur.

Viel fesselnder aber für die Kinobesucher war das anschließende Filmgespräch mit „Borga“-Hauptdarsteller Eugene Boateng und dessen Onkel im Film, Prince Kuhlmann. Die beiden sympathischen Deutschen mit Wurzeln in Ghana erzählten mit überschäumender Freude von den Dreharbeiten, Boatengs Filmvater Adjetey Anang („Das ist der Denzel Washington von Ghana“), vom erhabenen Gefühl, mit dem Film etwas Wichtiges geschaffen zu haben, von ihrem Blick auf die Heimat ihrer Eltern und dass sie eine Tour durch Ghana vorbereiten, damit ihr Film auch dort gesehen wird. Offizieller Kinostart in Deutschland ist am 28. Oktober.

Startseite