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Konzert im Gleis 22

Isolation Berlin animiert zur Pogo-Parade

Münster

Da zappelt die Boheme: Am elften Konzertabend in Serie vor einer viertägigen Tour-Pause haben die Bands Isolation Berlin und Support-Act Swutscher am Samstagabend im Gleis noch einmal alles rausgehauen. Kleiner Liebesbeweis der beiden Frontmänner inklusive.  

Carsten Vogel

Isolation Berlin-Frontmann Tobias Bamborschke schlägt in rotes Licht gehüllt leise Töne an, nachdem zuvor ordentlich gerockt wurde. Foto: Pjer Biederstädt

Zunächst sieht es am Samstagabend lange Zeit so aus, als müssten die Bands vor einer Handvoll versprengter Fans spielen, die dem warmen Wetter trotzen. Doch dann ist es plötzlich proppenvoll im Gleis 22.

Vom Band erklingt das “Pony Lied” aus dem Film “Hochzeit auf Immenhof” gesungen von Heidi Brühl. Willkommen bei der Vorband Swutscher. Was klingt, als könne man damit nach dem Konzert den Boden schrubben, ist ein Sextett aus Hamburg. Bei einem Rio-Reiser-sing-a-like-Wettbewerb würde Sänger Sascha Utech locker Milliarden-Sänger Ben Hartmann vom Thron stoßen.

Die Band schrammelt sich durch zehn Songs, lässt mal Jonathan Richmans “Egyptian Reggae” einfließen (“Im Westen”), hat passenderweise für Münster einen Song übers Fahrrad im Gepäck (“Drahtesel”) und holt für den künftigen “Ballermann-Hit des Jahres” den Sänger des Hauptacts für ein Duett auf die Bühne (“Bierstübchen”) - Küsschen der Frontmänner inklusive.

Das Ganze klingt nach einer Mischung aus Wanda und Element of Crime. Und dadurch, dass Swutscher in diesem Artikel bereits viel Platz eingeräumt bekommen haben, lässt erahnen, dass sie ihre Sache richtig gut gemacht haben. Isolation Berlin haben dann etwas mehr Platz auf der Bühne. Das Berliner Quartett hat Ende Februar sein neues Album “Vergifte dich” veröffentlicht, was neben dem aktuellen Longplayer der Band Die Nerven, wohl zu den besten dieses Jahres gehören dürfte. Und auch live gehören sie auf diesen Olymp.

Sänger und Gitarrist Tobias Bamborschke singt mit Inbrunst über Trauer, Tristesse und gleichzeitig über Verzweiflung und Sehnsucht. Poetisch philosophische Lyrics: niemals pathetisch, meist melancholisch, immer authentisch. Und trotz textlicher Tiefgründigkeit, steht diese Band, zu der neben Bamborschke Drummer Simeon Cöster, Bassist David Specht und Gitarrist Max Bauer gehören, gehörig unter Strom.

Die rockigen Stücke kitzeln der münsterischen Boheme gar eine Pogo-Parade aus den Gliedern. 18 Songs, beginnend mit ihrer Single “Annabelle” aus dem Jahr 2015, darunter die großartigen “Serotonin”, “Antimaterie” und “Marie” vom aktuellen Album, aber auch die beiden früheren Werke kommen nicht zu kurz. Der erste Zugabenblock enthält “Alles grau”, “Kicks” und “Wahn”, bevor Bamborschke den Abend nach gut zwei Stunden mit dem ruhigen “Vergeben heißt nicht vergessen” im roten Schweinwerferlicht ausklingen lässt.

Setlist:

  1. Annabelle
  2. Serotonin
  3. Antimaterie
  4. Marie
  5. Ich wünschte, ich könnte
  6. Melchiors Traum
  7. Wenn ich eins hasse, dann ist das mein Leben
  8. Vergifte Dich
  9. Der Bus der stillen Hoffnung
  10. Die Leute
  11. Prinzessin Borderline
  12. Fahr weg
  13. Meine Damen und Herren
  14. Isolation Berlin
  15. Alles grau
  16. Kicks
  17. Wahn
  18. Vergeben heißt nicht vergessen
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