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Rätselhafte Welt der Manierismen

Italienische Compagnia tanzt „Barocco“ im Pumpenhaus

Münster

Was kann die Barock-Zeit Heranwachsenden geben? Als Kunstform des Absolutismus und der Gegenreformation wohl kaum Moral und Werte. Dafür Pracht und Schönheit. Augenfutter. Die italienische Compagnia TPO präsentierte in ihrer Choreographie „Ba­rocco“ die ästhetische Künstlichkeit jener Zeit mit modernen Mitteln.

Gerhard H. Kock

Vor der Rokkoko-Schaukel des Jean Honoré Fragonard wurde in passenden Kostümen getanzt. Foto: kok

Ein Vorhang aus Fäden nahm auf der einen Seite die Video-Projektionen, auf der anderen Seite immer mal wieder die Tänzerinnen auf. Die Musik war zeitgenössisch im historischen, wie im heutigen Sinne: barocke Arien mal im Original, mal mit fetten Beats.

Eingebunden waren die tänzerischen Aktionen in eine Geschichte: Zwei Tänzerinnen geraten in einer Art Traumsequenz in ein märchenhaftes Schloss, in dem sie sich erstens in jene Epoche versetzt sehen und zweitens in verschiedene Räume: ein Musikzimmer, ein Zimmer des Pfaus, einen Spiegelsaal, ein kleines Theater, die Kunstgalerie und den königliche Garten.

Apropos König: Ludwig XIV. wurde vorgestellt, ohne ihn beim Namen zu nennen. Dessen Manierismen und die seiner Zeit boten immerhin Gelegenheit zu Spott: die Tanzspielchen zum Beispiel. Sie in Beschleunigung zu tanzen, um so in eine Slapstick-Nummer zu geraten, war eine gute Idee, die durch Gelächter vom Publikum belohnt wurde.

Das alles war schön anzusehen, blieb allerdings reichlich verrätselt. Die „Wunder der barocken Welt“ vermittelten – auf diese Weise gezeigt –, eher den Eindruck von Seltsamkeiten. Aber schließlich soll die Schule ja noch Bildungsarbeit leisten. Das muss sie nach der Aufführung allerdings auch.

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