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Junges Theater Cactus präsentiert „Mit Sicherheit“ im Pumpenhaus

Kartons voller Gefühle und Gedanken

Münster

Trotz der vielen Kartons wird hier nicht umgezogen, sondern Theater gespielt. „Mit Sicherheit“ heißt das neue Stück von Cactus im Pumpenhaus.

Von Helmut Jasny

Diese Menschen wollen gar nicht umziehen – die Pappkartons sind vielmehr Symbole für das, was das Leben für sie bereithält. Foto: Ralf Emmerich

Wenn das ein Umzug wird, dann wird es ein gewaltiger. Dutzende von Kisten und Kartons türmen sich an der Rückwand der Bühne und warten darauf, gefüllt zu werden. Werden sie aber nicht. Denn hier wird nicht umgezogen, sondern Theater gespielt. „Mit Sicherheit“ heißt das neue Stück von Cactus, das am Freitag im Pumpenhaus Premiere hatte. Und statt Büchern, Kleidung oder Küchengerät werden Gedanken und Gefühle transportiert. Solche der Freude und der Geborgenheit, aber auch solche von Angst und Orientierungslosigkeit.

Es ist keine gar zu redselige Aufführung, die das junge Ensemble unter der Regie von Judith Suermann hier abliefert. Der wenige Text dient mehr der Einführung und kommt hauptsächlich aus dem Off. Von Sicherheit ist darin die Rede, wie sie einerseits Schutz bietet, andererseits aber auch lähmt. Ähnlich zwiespältig verhält es sich mit der Unsicherheit. Sie kann einen Menschen zermürben, kann aber auch dazu führen, dass er zu neuen Ufern aufbricht.

Zum Ausdruck kommt das vornehmlich durch Tanz und Körpersprache. Blicke, Gesten, Mimik und angedeutete Bewegungen sind das Instrumentarium, mit dem sich die Protagonisten verständigen. Die Pappkartons werden zu Symbolen für das, was das Leben für sie bereithält, oder für das, was es ihnen in den Weg stellt. Das kann Arbeit sein, wenn sie sie mühevoll sortieren und umschichten, oder ein Rückzugsort, wenn sie wie in eine Höhle in sie hineinkriechen.

Ein anderes Thema ist der Zusammenhalt, der Ansporn, gemeinsam etwas zu erreichen. Gerade noch hat man aus den Kartons mit viel „Ah!“ und „Oh!“ einen imposanten Turm errichtet, an dem alle ihre Freude haben. Doch dann kommt jemand daher und bringt ihn zum Einsturz, indem er an strategischer Stelle einen der Kartons entfernt.

Eine schönes Bild für die Unsicherheit der Zukunft sind zwei Lampen, die von der Decke hängen und quer über die Bühne schwingen. Zwischen diesen sich ständig verändernden Lichtbahnen müssen die Protagonisten ihren Weg finden, und es ist klar, dass es kein gerader sein wird. Am Ende der gut einstündigen Aufführungen machen sie Party. Das wirkt in gewisser Weise befreiend, selbst wenn die Musik dabei auf sie einteufelt wie das Leben. Eine sehenswerte, mit starker Symbolik auf die Bühne gebrachte Inszenierung.

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