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Ateliergemeinschaft Breite Gasse lädt zum Sommersalon

Korallenriff mit Laborcharakter

Münster

Dieser Hinterhof hat was von einem Korallenriff: bunte Vielfalt wuselt auf kleinstem Raum. In der Ateliergemeinschaft Breite Gasse arbeiten zwar „nur“ fünf Künstler, dafür liegen Alter und Ausrichtung in einem ausgewogenen Verhältnis. „Und die Frauenquote stimmt auch“, fügt Anastasiya Nesterova lachend hinzu. Man merkt: Die Atmosphäre stimmt hier ebenfalls.

Gerhard H. Kock

Die Künstler des Ateliers Breite Gasse (v.l.): Corinna Schröer, Claudia Böger, Karl Bischop, Maximilian Tomasoni und Anastasiya Nesterova. Foto: Gerhard H. Kock

Und experimentiert wird in der ehemaligen Schlosserei zwischen Aegidiistraße und Königsstraße: allen voran Maximilian Tomasoni. Seine Digital-Collagen holen Bilder ins Analoge zurück. Sein alter Schwarzweiß-Drucker „dampft“ die Farbe auf Papier oder Pappe, so kann sie Tomasoni anschließend mit der Rasierklinge abschaben. Und er koloriert nach – minimalistisch und präzise: Zarte Arbeiten mit einer analogen Brillanz, zu der ein Farblaserdrucker nicht in der Lage wäre. Und erst recht nicht zu seinen Box-Bildern, bei denen der Farbauftrag durch Box-Handschuhe geschieht, was den Bildern, deren Leinwand auch schon mal vorher gefaltet wurden, eine „puffige Struktur“ gibt. Mit teils verblüffenden Effekten: So wirkt die Farbe beim Seitenblick auf die Leinwand intensiver, gewinnt eine räumliche Wirklichkeit.

Mit neuen „Räumen“ hat sich Anastasiya Nesterova beschäftigt, bleibt aber dem Norden treu. Nicht die See, sondern das Blüten-Meer des Alten Lands hat sie beim Stipendium in Stade beobachtet. Und: wie kurz die Blütenpracht ist, so wie die Jugendzeit . . . Sowohl Drucke als auch Malerei mit dieser Landschaft ermöglichen einen Vergleich, welche Weite ein Druck und welche Sinnlichkeit Malerei haben kann.

Drei Aspekte will Claudia Böger in ihrer gemalten „Welt zwischen Welten“ zum Ausdruck bringen: „Identität und Persönlichkeit“, „Kommunikation und Interaktion“ und das Thema „Weiblichkeit“ im weitesten Sinne. Seit neustem auf großen Formaten wird das soziale und fühlende Wesen Mensch verhandelt. „Une femme qui avance“ heißt ein Bild, eine Frau geht kraftvoll nach vorne, ohne zu preschen.

Corinna Schröer zeigt Holzschnitte, was im Druckprozess Disziplin und Sauberkeit verlangt. Als wollte sie etwas dagegensetzen, findet sich in ihren Blättern immer wieder das schöne Chaos. Die Hölzer bringen gelegentlich Astlöcher mit, die in Schröers Ordnung bleiben dürfen. Und Witz ist auch dabei, wenn sie als Motiv ausgerechnet Baumrinde auf ein Holz bringt. Hier wird die Varianz von Linien zwischen Strenge und Lebendigkeit virtuos in Beziehung gesetzt.

Karl Bischop zeigt ältere Arbeiten: Stillleben, in denen er die Stofflichkeit der Gegenstände wie Gemüse oder Messer auf Leinwand zu bannen sucht. Bei seiner Zigarrenkiste mit der Walnuss im Nussknacker kommt zudem das Spiel mit der Perspektive zum Zuge, wenn die Tiefe des Raumes sich verdichtet.

Als Gast ist Satomi Edo. Die Künstlerin aus dem Atelierspeicher II zeigt eine Video-Installation.

Zum Thema

Der Sommersalon des Ateliers Breite Gasse findet am Samstag (31. August) von 14 bis 19 Uhr in der Breiten Gasse 45 (an der Aegidiistraße) statt. Außerdem öffnen die Künstler in der Nacht der Museen und Galerien am 7. September ab 18 Uhr ihre Pforten.

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