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Ateliergemeinschaft in der Bezirksregierung

„Kuckuck!“ ruft’s vom Hoppengarten

Münster

Skurrile Denkertypen, Irrsurfer im Hafenbecken, tanzende Wurzeln, selbst klassische Bildhauerei kann die Ateliergemeinschaft Hoppengarten präsentieren. Kein Wunder, dass die Ausstellung der sieben Künstlerinnen in der Bezirksregierung „Kuckuck!“ heißt. Und selbst der ist inmitten ihrer Arbeiten zu finden.

Gerhard H. Kock

Sieben Künstlerinnen vom Hoppengarten laden in die Bezirksregierung.  Sieben Künstlerinnen der Hoppengarten-Ateliers stellen in der Bezirksregierung aus. Foto: Gerhard H. Kock

Theresa Potente gibt der toten Wurzel neues Leben. Ihr Trio aus mongolischer Kiefer tanzt geradezu auf Spitze, schlängelt sich der Sonne entgegen oder erschwingt sich den Stein auf Kante. Potente erkennt das Potenzial ihrer Natur-Funde, die in der Regel lediglich gereinigt und geölt werden: Ein dicker Wurzelknauf kann so als Hund, Elefant oder als corpus christi erscheinen. Einen Flachwurzler hat Potente kopfüber auf eine alte Sandsteinplatte gestellt, auf der sich das Laub eines Herbstes eingeprägt hat: ein Baum invers – Luftwurzeln erwachsen aus Bodenblättern.

Ihr Aussehen gnomig, ihr Verhalten sanft. Lisa Schlossers Köpfe, Figuren und Szenenbilder geben besonderen Zuständen und Situationen eine Form. Ihr kolorierten Tonfiguren drücken „Zuneigung“ und vielleicht „Liebe“ aus. Ihre mit eigenen Schriftzeilen versehenen Bilder schildern mal schräge Szenen an den Klippen des Lebens oder sinnen Wortschöpfungen wie „Schwaddentrachte“ nach. Und den in seiner Mimik wunderbar tief sinnenden „Philosophen“ hat Schlosser auf den Pott gesetzt . . .

Ricarda Mau macht Werbung: „Junger Mann zum Mitfahren gesucht!“ steht an ihrer „Blickbude“. Interessierte sollen sich am Kassenhäuschen melden. Es ist der Send, der hier als Peepshow visuell beim Aufbau und akustisch beim Betrieb zu erleben ist.

Iris Palandt trennt das Subjekt vom Ort – und mischt beide fröhlich durcheinander: Da spaziert ein Pinguin durch die Trabantenstadt, schwebt ein Rochen durch den Birkenwald, oder eine Giraffe surft an Münsters Theater vorbei, auf dem geschrieben steht: „All places are temporary places“. Direkt daneben: eine Art Stechuhr. Auch die Bezirksregierung ist ein Ort auf Zeit.

Inga Leugers fotografiert Glasscheiben. Das ist richtig, geht aber an der Wahrnehmung vorbei. Denn in den Transparenzen und Spiegelungen addieren sich Räume zu ästhetischen Bildern. Zudem zeigt sie florale Strukturen hinter und auf Glas.

Von Claudia Alfers ist klassische Bildhauerei zu sehen – poetisch, zart, fast zärtlich wirken Köpfe oder der weibliche Torso in Sandstein. Susan Gretz ist mit großformatigen Gemälden von Trauerweide bis Lebensbaum vertreten. Angesichts der Expressivität im Ausdruck mag der Betrachter kaum glauben, dass die Künstlerin in ihrer Bewegung eingeschränkt ist.

Zum Thema

Die Vernissage ist am Freitag (12. Juli) um 18 Uhr in der Bezirksregierung, Domplatz 1-3. Geöffnet: montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr.Bis 7. August.

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