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Assoziationsreiche Performance von Helmut Luckmann im Pumpenhaus

Künstlerischer Dialog über die Distanz

Münster

Die Pandemie mit ihren Abstandsgeboten und Bildschirmkacheln, in die sich Freunde und Bekannte verwandeln – für Künstler wie Helmut Luckmann ist dies der Pool, aus dem es sich künstlerisch zu bedienen gilt. Und mit guten Mitstreitern kommt dann eine assoziationsreiche Performance dabei raus.

Von Helmut Jasny

Helmut Luckmann (l.) und Thomas Kolczewski Foto: Pumpenhaus

Schwarz ist die Bühne, weiß die aufgespannte Leinwand im Hintergrund. Dann kommt Helmut Buntjer im Maler-Overall hereingeschlurft. Träge wie ein Handwerker nach der Mittagspause greift er zum Mikrofon und erzeugt mit Stimme und Elektronik seltsame Töne. Mittlerweile sind auch Helmut Luckmann und Thomas Kolczewski aufgetaucht, ebenfalls in Overalls. Wie Sämänner verstreuen sie Sand auf der Bühne des Pumpenhauses, bis Luckmann zu Boden geht und Kolczewski ihn wegschleift, wobei er mit dem Füßen rätselhafte Zeichen in den Sand zeichnet, die sich dann auf der Leinwand wiederfinden, die jetzt zur Projektionsfläche geworden ist.

In „...exzentiell – gelebte Ungewissheit“ beschäftigt sich Luckmann mit der Pandemie, mit dem Abstand, die sie fordert, der Unsicherheit und den Bildschirmkacheln, in die sich Freunde und Bekannte verwandelt haben. Und mit künstlerischem Dialog über Distanz. Denn ein solcher findet statt, wenn Kolczewski durch den Sand tanzt und durch die Projektion ein Bild zeichnet, das Luckmann auf der Leinwand mit Farben ergänzt und Buntjer mit der Posaune akzentuiert. Eine beeindruckende Synthese aus Tanz, Musik und Malerei, die den dreien hier gelungen ist.

Gleichzeitig ist die Performance im Pumpenhaus auch ein Spiel mit verschiedenen Ebenen und Dimensionen. Als sich Kolczewski nach seinem Tanz auf den Boden legt, verwandelt sich der Raum in Fläche. Wie ein vom Kreuz gefallener Heiland erscheint seine Projektion auf dem Bild, wo sie von Luckmann abgemalt wird. Als er dann aus dem Kamera-Ausschnitt herausrollt, bleibt von ihm nichts als ein flächiges Abbild auf der Leinwand zurück. Dieser Akt der Entkörperung lockt Elke Werner auf den Plan. Im roten Kleid, das zum Schwarz der Bühne und zum Weiß der Overalls einen scharfen Kontrast bildet, steht sie auf der Bühne und wird von der Musik durchgeschüttelt.

Dann zittert sie sich Richtung Ausgang, wo sie sang- und klanglos verschwindet – ein kurzer Spuk, der den Zuschauer zunächst ein bisschen ratlos zurücklässt, Luckmann und Kolczewski aber zu einem zaghaften Pas de deux animiert, der nach diversen Kontaktimprovisationen in eine ungelenke Umarmung mündet, mit der die ebenso originelle wie assoziationsreiche Performance schließlich endet.

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