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Orgelsommer: Vincent Heitzer spielt im Dom

Lichte Gotik, in Musik gegossen

Münster

Ein Höhepunkt des Orgelsommers: Vincent Heitzer aus Köln lässt die Domorgel erklingen.

Von Chr. Schulte im Walde

Vincent Heitzer Foto: Christoph Schulte im Walde

Reisende Organisten haben es schwer. Deutlich schwerer jedenfalls als Künstler, die an ihnen unbekannten Orten ihre eigene Blockflöte auspacken oder in die gewohnten Gitarrensaiten greifen. Weil für Organisten jede Orgel anders ist und sie sich jedes mal neu auf sämtliche klanglichen Verhältnisse einstellen müssen.

Im Paulus-Dom, wo am Samstag das vierte Orgelsommerkonzert zu hören war, gelang es Vincent Heitzer vortrefflich, Orgel, Raum und Musik bestens in Einklang zu bringen. Der Kölner Organist, Kirchenmusiker an der Basilika St. Aposteln, schaffte es ganz wunderbar, sich auf die örtlichen Gegebenheiten einzustellen, gleich eingangs in Johann Sebastian Bachs c-Moll-Präludium nebst Fuge. Ein „strenges“ Werk, schnörkellos, geradlinig gespielt. Und doch ausgestattet mit einem ganz natürlichen Atem, den auch Felix Mendelssohn Bartholdys sechste Orgelsonate über den Choral „Vater unser im Himmelreich“ durch alle drei Sätze hindurch prägte. Eine überzeugende Interpretation unter geschickter Einbeziehung der „Zusatzorgel“ im Nordturm des Domes!

Fernwerk mit knackiger Tuba

Dieses Fernwerk mit dem knackigen englischen Tuba-Register bekam denn auch seinen besonderen Auftritt in Heitzers improvisiertem Dreiteiler „Prélude, Air and Tuba Tune“ – ein geschmackvoll arrangiertes Triptychon, in dem sich die barocke (Händel-)Tradition mit jener der französischen Romantik à la Eugène Gigout mischte. Sehr schön!

Zusammenspiel von Raum und Klang: Vincent Heitzer bewies dieses Gespür im münsterischen Dom auch in Louis Viernes „Cathédrales“ – einer klingenden Hommage des Notre-Dame-Organisten Vierne an „seine“ Wirkungsstätte im Herzen von Paris. Dieses Stück braucht Ruhe, Zeit zur Entfaltung, baut sich behutsam auf aus dem zarten Nichts bis zum gleißenden Tutti aller Orgelregister – um wieder im Nichts zu verschwinden. Vincent Heitzer machte daraus ein sinfonisches Fresko, inszenierte ein imaginäres Bild jener realen Kathedrale an der Seine, die hoffentlich bald wieder in neuem Glanz erstrahlt. Lichte Gotik, in Musik gegossen.

Zum Schluss ein zweites von Heitzer frei fantasiertes Kunststück: eine farbig angelegte Improvisation über die so anrührende Melodie „In dieser Nacht sei du mir Schirm und Wacht“ im romantisch-sinfonischen Stil. Das passte haargenau! Großer Applaus im Dom für einen ausgezeichneten Solisten.

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