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Konturen im Kuschelmodus

Mehr als 6000 Fans feierten Johannes Oerding in der Halle Münsterland

Münster

Ein Heimspiel für den gebürtigen Münsteraner Johannes Oerding: Am Mittwochabend jubelten ihm und seinem Support Enno Burger die Fans in der Halle Münsterland zu.

Günter Moseler

Johannes Oerding wünscht den Menschen in seinen Texten Verstand und Herz – die Fans stimmen begeistert zu. Foto: Wilfried Gerharz

Wie Flammenwerfer rasten Bühnenlichter über die Köpfe des Publikums hinweg, „Wir rasen durch die Nacht“, donnerte Enno Bunger ins Mikrofon, und plötzlich strahlte es taghell: Vom ersten Moment an wurde in der Halle Münsterland eine Siegergeschichte gefeiert. Da beteuerte Bunger einer fernen Geliebten: „Du bist mein One-life-stand“, vom Schlagzeug krachend eskortiert. Schnell noch ein Blick auf die „Bunger-Oerding“-Connection: Oerding habe Bungers Song „Ponyhof“ gehört: „Geil, komm doch mit auf Tour“. Bunger: „Geil, mach ich“. Zum Beweis sang Support-Bunger dann „Das Leben ist kein Ponyhof“, und es klang wie ein Ponyhof-Therapie-Song.

Da stand der Headliner-Held des Abends noch gar nicht auf der Bühne: Als wollte Pop-Guru Johannes Oerding sein Publikum noch das Glück eines halbstündigen Aufschubs genießen lassen. Links und rechts präsentierten Plasmabildschirme das Konterfei Oerdings, mal im edlen Halbprofil, oder in Göttergröße auf einer Leinwand, die sich wie ein gigantisches Betttuch von der Decke abrollte. Damit war das Publikum optisch optimal vorgewärmt, sammelte die vollbepackte Halle spürbar Kräfte fürs Ohrenbetäubende.

Da plötzlich – ein magischer Moment: Auf den Bildschirmen tauchten in der Herzmitte eines roten Herzens ‚live‘-Aufnahmen aus dem Publikum auf, gerieten Paare ins Visier, die sich plötzlich überlebensgroß fixiert fanden – und zum Kuss bereit: Intime Variationen einer schönen Gunst. Übergangslos nahm der Jubel Kurs auf Johannes Oerding samt Band, „Star-Wars“-Dezibel kündigten den Star an, ein Mixturwesen aus Gladiator und Terminator, während Scheinwerfer wie von tausend Geisterfahrern ins Publikum strahlten. Sofort ein Hit aus dem neuen Album „Konturen“: „Ich brauche was zum Anfassen / Dann kann ich wieder loslassen / Ich will mich nicht mehr anpassen“. Der Fortissimo-Kuschelmodus dominierte, im Chor taumelten alle mit „So schön“ („Ich bin ganz nah dran / Damit ich es noch besser sehen kann / Und alles ist so schön“) in eine Endlosschleife, scherzte der gebürtige Münsteraner: „Wenn der Corona-Virus kommt, sind wird hier zwei Wochen in Quarantäne – und ich habe hundert Songs dabei!“.

Oerdings Pop rockt, rappt und „folkt“ sanft konturlos durch menschenfreundliche Songtexte, in denen die Welt gerügt („Wir sind wie blinde Passagiere…“) und derart ursprüngliches Leben vage nahegelegt und gefeiert wird. In „Besser als jetzt“ wünschte Oerding sich „Ein bisschen Verstand / Eine kleine Prise Herz“, und das wäre wohl allen Menschen wünschen. Rasende Begeisterung.

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